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Prozess „Er wusste davon“

Gunars Reichenbachs Büro Hannover

Hannover - Christiane Wulff zögert keine Sekunde: „Er wusste vom ersten Urlaub“ und auch von der zweiten Reise „wusste er, weil er Herrn Glaeseker ein Schreiben für mich mitgegeben hat“. Er – das ist Ex-Bundespräsident Christian Wulff.

Keinen Cent bezahlt

Ausführlich schildert die frühere Ehefrau im Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker vor dem Landgericht Hannover, wie es zwischen 2006 und 2008 zu mehreren Gratisurlauben in Häusern des ebenfalls angeklagten Party-Managers Manfred Schmidt kam. Gemeinsam mit dem Ehepaar Glaeseker.

Sicher wirkt Christiane Wulff bei ihrer Aussage. Die Osnabrücker Juristin ist im grau-schwarzen Pepita-Kostüm mit passender Nieten-Tasche erschienen und ist alles andere als nervös. Offen beschreibt sie das „sehr freundschaftliche Verhältnis“ zwischen Glaeseker und Schmidt („Glaeseker hatte Zugang zum Weinkeller, wenn Schmidt nicht da war“), ihr eigenes, nicht ganz so enges Verhältnis zu dem „offenen und kommunikativen“ Partymanager sowie die „einfache, aber stilvolle“ Einrichtung der Finca.

Gezahlt hat Christiane Wulff für sich, die Tochter und deren Freundin keinen Cent. „Ich war von Herrn Schmidt eingeladen“, sagt Christiane Wulff. „Da stellte sich die Frage nicht. Wenn ich jemanden einlade, kriegt er auch ein Rundum-sorglos-Paket.“

Mit ihrer Aussage bringt die 53-Jährige ihren Ex-Gatten in Bedrängnis. Denn Wulff, gegen den ein Prozess wegen Vorteilsnahme in einem anderen Fall läuft, hatte stets behauptet, nichts von den Gratisurlauben Glaesekers seiner Frau in Spanien und Frankreich gewusst zu haben – ebenso wenig von Glaesekers Freundschaft zu Schmidt.

Über alles unterrichtet

Bei Christiane Wulff klingt das alles plötzlich anders. Vor dem ersten Spanien-Trip habe es gar ein Dreiergespräch über Modalitäten der Scheidung 2006 gegeben. Am Tisch: das Noch-Ehepaar Wulff – und Glaeseker. Bei diesem Treffen habe Glaeseker die Einladung für Schmidts Finca in Nordspanien ausgesprochen. Über diesen und alle folgenden Urlaube sei Wulff „auf jeden Fall“ unterrichtet gewesen. Sie habe ihrem Ex-Mann stets mitteilen müssen, wenn sie mit ihrer Tochter verreiste.

Die Aussage könnte erhebliche Auswirkungen auf den Prozess gegen Glaeseker und Schmidt haben, in dem es um die Frage geht, ob sich Niedersachsens Ex-Regierungssprecher von Schmidt mit Gratisurlauben, Freiflügen und anderen Geschenken bestechen ließ. Und dem Event-Manager im Gegenzug half, zahlungskräftige Sponsoren für die Politpartys „Nord-Süd-Dialog“ an Land zu ziehen, an denen Schmidt kräftig verdient haben soll.

Wulff, damals niedersächsischer Ministerpräsident, bestreitet, über das brisante Verhältnis informiert gewesen zu sein. Am 10. Februar kommt es zur Gegenüberstellung: Dann tritt Christian Wulff als Zeuge im Prozess gegen Glaeseker auf. Bereits in der kommenden Woche soll Glaeseker im Verfahren gegen seinen Ex-Chef aussagen.

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