Oldenburg - Der Nutzen und die Risiken sozialer Netzwerke standen im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Direktorin der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der EMS Oldenburg-Groningen. Mit Freunden und Familienmitgliedern in Kontakt zu bleiben, ist dank sozialer Netzwerke, wie etwa Facebook, viel leichter geworden. Auch ist es einfach, darüber mit Menschen in Kontakt zu kommen, die die gleichen Interessen teilen. „Einige Nutzer geben aber auch an, dass sie in diesen Netzwerken Selbstbestätigung suchen und ihre spärlichen sozialen Kontakte in der realen Welt kompensieren wollen“, berichtete Philipsen auch aus Erzählungen von Patienten.
Ab wann die Nutzung sozialer Netzwerke zum Problem wird, ist nicht klar definiert. Hinweise darauf seien, dass soziale Kontakte oder die Arbeit vernachlässigt werden, so Philipsen. Außerdem sei ein Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und einem geringen Selbstwertgefühl mit der intensiven Nutzung sozialer Netzwerke nachgewiesen. „Allerdings ist hier die Frage, was früher da war: Die Henne oder das Ei“, gibt die Ärztin zu bedenken. Zum Problem werden soziale Netzwerke, wenn Nutzer ständig erreichbar sein müssen, häufiger gereizt sind und sich ihr Verhalten ändert.
Opfern von Mobbing in Sozialen Netzwerken sollte nicht verboten werden, diese Netzwerke zu nutzen, rät Philipsen. „Denn damit bestraft man das Opfer. Viele Jugendliche sagen nichts aus Angst, dass ihnen der Laptop weggenommen wird. Besser ist es, sich die Beschimpfungen anzusehen und gegen die Täter vorzugehen.“
Große Gefahren sieht die Medizinerin durch Websites mit Anleitungen zum Suizid sowie in Internet-Bewegungen wie „Pro-Ana“ oder „Pro-Mia“, in denen Anorexie (Magersucht) beziehungsweise Bulimie verherrlicht werden.
Parallelen zwischen Religion und der Nutzung neuer Medien zieht Philipsen als Fazit: „Der Glaube kann Patienten helfen aus einer Depression herauszukommen. Wenn er allerdings wahnhaft wird, ist es extrem schwierig, diese Patienten zu therapieren. Genauso hat auch die Internet-Nutzung zwei Seiten. Sie darf unser Leben nicht bestimmen.“
