GANDERKESEE - Der Vorgang klingt unfassbar: Ein 58-jähriger verheirateter Polizeibeamter aus Ganderkesee soll im Dienst auf der Wache in Bookholzberg während der Vernehmung einer Zeugin die 43-jährige Frau zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Seit Dienstag muss sich der kräftige Mann, der 38 Dienstjahre hinter sich hat, wegen sexueller Nötigung vor dem Oldenburger Landgericht verantworten. Sollte er im Sinne der Anklage schuldig gesprochen werden, verliert er nicht nur seinen Job, sondern auch seine Pension.

Über mehrere Stunden und teils unter Tränen äußerte sich der Angeklagte am Dienstag zu den Vorwürfen. Im Vorfeld hatte er sich bereits bei der Frau entschuldigt und schon mal Schmerzensgeld gezahlt. Er sei von ganzem Herzen Polizist, schäme sich für die Tat und habe als Mensch und Polizist einen Fehler gemacht, erklärte er.

Was sich nach einem umfassenden Geständnis anhörte, sollte aber bald eine Wendung erfahren. Denn nun kam der 58-Jährige zum eigentlichen Punkt seiner Aussage. Die Anklage wirft ihm vor, unter Gewaltanwendung die hilflose Lage des Opfers ausgenutzt zu haben. „Hier muss ich ganz entschieden widersprechen“, erklärte der Angeklagte. Er will einen Widerstand der Frau nicht wahrgenommen haben, im Gegenteil. Im Hinterzimmer der Dienststelle sei die 43-Jährige „ganz dicht an ihn herangetreten“. „Wir fühlten uns gut und redeten über Kachelmann“, so der 58-Jährige. Er will eine zärtliche Sympathie gespürt haben, die ihn dann zu den sexuellen Handlungen verleitet hätten.

Dabei hatte die Frau offenbar nur den Rat der Polizei befolgt, wonach Opfer auf potenzielle Sextäter permanent einreden sollen, um sich aus der Situation zu befreien. Man könne sich doch mal zu einem anderen Zeitpunkt treffen, hatte sie vorgeschlagen, nachdem sie den 58-Jährigen vergeblich zurückgeschubst hatte.

Und nachdem sie gesagt hatte, dass sie nun einen dringenden Termin habe und sich auf ein Wiedersehen freue, hatte der Angeklagte sie schließlich gehen lassen.

Die Frau ist seit der Tat psychisch am Ende und befindet sich in therapeutischer Behandlung. Am Dienstag wiederholte sie in nichtöffentlicher Sitzung ihre schweren Anschuldigungen.