Hannover/Duderstadt - Vor der Staatskanzlei und dem Landtag fährt die Auto-und Motorrad-Kolonne fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor, am Rathaus gibt es dann endlich etwas Jubel für den Bundespräsidenten. Kinder aus dem Rathaus-Kindergarten schwenken eifrig Deutschland-Fähnchen. Joachim Gauck gefällt das, er schüttelt viele kleine Hände. „Und jetzt noch ein Foto mit den Kindern“, animiert er die Fotografen, die schon einpacken wollen. Für diesen Moment legt sogar der Hannoveraner Dauerregen eine kurze Pause ein.
Der Bundespräsident stattete Niedersachsen am Donnerstag seinen Antrittsbesuch ab. Dem offiziellen Teil in Hannover folgte am Nachmittag ein Besuch in Duderstadt. Auch Oldenburg war angeblich als zweite Station im Gespräch – hätte jedoch nicht so gut zum Thema der Visite gepasst. Die Probleme mit dem demografischen Wandel lassen sich in Südniedersachsen besser besichtigen. Oldenburg sei zu erfolgreich, hieß es.
Vor der Staatskanzlei wird Gauck samt Lebensgefährtin Daniela Schadt von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und seiner Frau Rosemarie Kerkow-Weil empfangen. Das Staatsoberhaupt kommt mit acht Minuten Verspätung. Zwei Schüler schwänzen den Unterricht, um ihn zu sehen. „Gauck ist als Typ sehr überzeugend“, meint einer von ihnen. Er tue viel für die Freiheit, sagt der andere.
Gauck spricht mit Regierungsmitgliedern und anschließend im Landtag mit Abgeordneten. Vor dem Parlament muss er ein paar Autogramme schreiben. Nachdem die Spürhunde der Polizei ihre Arbeit verrichtet haben, wird das Staatsoberhaupt von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) ins Leineschloss geführt. Der Sicherheitsaufwand ist groß.
Bereits vor der dritten Station in Hannover, dem Rathaus, hat der Bundespräsident viele Geschenke im Gepäck. Von Weil bekommt er originalgetreue Kopien von Leibniz-Briefen. Für Daniela Schadt gibt es ein Porzellan-Pferd von Fürstenberg. Busemann schenkt einen besonderen Pelikan-Füller und eine Vase.
Im Rathaus wird Gauck von Bürgermeister Bernd Strauch (SPD) empfangen. Der beeindruckt den Bundespräsidenten mit dem Hinweis, dass in der Landeshauptstadt Menschen aus 172 Nationen leben. Gauck lobt das „Mitein-ander von Verschiedenen“. Er höre wenig von Integrationsproblemen in Hannover – ganz im Gegensatz zu Berlin.
Der Bundespräsident ruft zu mehr Respekt vor Politikern auf. „Viele Menschen im Land mögen Regierende nicht, aber wenn es keine Regierenden gäbe, würde das Chaos einziehen“, sagt er. Der anschließende Satz vom Kommunalpolitiker, der zu „höheren Weihen“ komme, ist auf den Ex-Oberbürgermeister Weil gemünzt. „Wir werden sehen, ob das ein Erfolgsmodell ist“, erklärt Gauck. Da muss der Ministerpräsident etwas schmunzeln.
Dass Gauck erst so spät Niedersachsen besucht, hat angeblich weder mit der Landtagswahl noch mit der Affäre um seinen Amtsvorgänger Christian Wulff zu tun. Auch seinem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern habe er noch keinen offiziellen Besuch abgestattet, betont der Bundespräsident.
In Duderstadt sucht Gauck das Gespräch mit den Bürgern. Vor dem Besuch in der Fachwerkstadt gibt es allerdings Misstöne. Mehrere Verbands- und Behördenvertreter, die von der Staatskanzlei zu einer Diskussion mit dem Bundespräsidenten über die Bevölkerungsentwicklung eingeladen waren, werden wieder ausgeladen. Gauck wolle mit „normalen Bürgern“ diskutieren und nicht mit Funktionären, heißt es.
