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geschichte Mutiger Anwalt des Humanen

Gabriele Henneberg

Einer der großen Kirchenmänner des 20. Jahrhunderts war Clemens August Kardinal Graf von Galen – und das nicht nur im Oldenburger Land und seiner Heimat Südoldenburg, sondern weit darüber hinaus bis ins Ausland. „Nec laudibus, nec timore“, zu Deutsch: „Nicht durch Lob, nicht durch Furcht“, war der Wahlspruch des Kardinals von Galen, der als „Löwe von Münster“ in die Geschichte eingegangen ist. Dieser Wahlspruch umreißt perfekt das Wesen und Wirken dieses im doppelten Wortsinne großen Kirchenmannes. Denn Clemens August imponierte zu Lebzeiten nicht nur durch seine beeindruckende Körpergröße und kräftige Statur, sondern vor allem durch seinen großen Mut, mit dem er öffentlich in Hirtenbriefen und Predigten gegen den Nationalsozialismus und seinen menschenverachtenden Rassenwahn anging.

Religiöses Elternhaus

Am 16. März 1887 kam Clemens August als elftes von 13 Kindern des Grafen Ferdinand von Galen und seiner Frau Elisabeth geb. Reichsgräfin von Spee auf der Burg Dinklage zur Welt. Sein Elternhaus war katholisch und tiefreligiös, die tägliche Frühmesse und das ebenfalls tägliche Abendgebet in der Burgkapelle strukturierten den Alltag. Dieser innige Glauben war auch intellektuell begründet und setzte sich im politischen und sozialen Engagement des Vaters als Reichstagsabgeordneter für die Zentrumspartei – er hat im Reichstag den ersten sozialpolitischen Antrag überhaupt gestellt – und in konkreter Hilfe für Notleidende in der eigenen Nachbarschaft fort.

Clemens Augusts tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben und seine ausgeprägte Frömmigkeit beförderte vor allem die Mutter, die sowohl das Messgewand, das Clemens August anlässlich seiner Primiz nach seiner Priesterweihe am 28.5.1904 trug als auch das, welches er bei seiner Bischofsweihe am 28.10.1933 trug, mit reichen Verzierungen selbst bestickte. Ein besonderes Zeugnis für die Unterstützung, die Clemens August von seinen Eltern bei seiner Entscheidung für den Priesterberuf erfuhr, ist jedoch der wertvolle und äußerst künstlerisch gestaltete Messkelch, den Elisabeth und Ferdinand Graf von Galen ihrem Sohn anlässlich seiner Primiz schenkten und den Clemens August bis zu seinem Tode täglich benutzte. Aufgrund der ebenfalls durch sein Elternhaus begründeten, ausgeprägten Marienverehrung bestimmte Clemens August testamentarisch, dass sein Primizkelch nach seinem Tode im Marienwallfahrtsort Bethen verwahrt werden sollte.

In der Familie von Galen war es Tradition, dem Ruf Gottes zu folgen und Priester zu werden. Nicht nur der bedeutende Vorgänger Clemens Augusts, Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen, steht in der langen Reihe von Galenscher Geistlicher, auch der Onkel von Clemens August, Friedrich von Galen, der ältere Bruder seines Vaters, verzichtete sogar auf das Erbe, den großen Besitz und den Sitz im preußischen Herrenhaus, und wurde Priester. Und so wie Christoph Bernhard von Galen sich um die Rekatholisierung des Oldenburger Münsterlandes und damit äußere Form der katholischen Kirche verdient gemacht hat, setzte sich Clemens August für die christlichen und sozialen Werte, für Menschenrechte, also die Inhalte, ein.

Opposition

Nachdem er sich als Kaplan in Berlin von 1906 bis 1929 intensiv um die ihm anvertraute Gemeinde, besonders aber um die Armen und Kranken gekümmert hatte, ging Clemens August von Galen – seit 1929 Pfarrer von St. Lamberti in Münster – bereits kurz nach der so genannten „Machtergreifung“ Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 in Opposition: Öffentlich predigte er, dass Gerechtigkeit und Nächstenliebe die Grundlagen des christlichen Gemeinschaftslebens seien, „Nächstenliebe, die in jedem Mitmenschen das Ebenbild Gottes ehrt, die Hass und Feindschaft nicht kennt“. In seinem ersten Hirtenbrief nach seiner Amtseinführung  als Bischof im  selben

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