GöTTINGEN - Der Tagessieger schaute betroffen, der Verlierer lächelte verhalten. Bei der letzten SPD-Kandidatenkür in Göttingen hatte Stefan Schostok zwar die Nase vorne, doch nach zehn Regionalkonferenzen gibt es einen eindeutigen Sieger mit sieben Erfolgen: Olaf Lies. Und der SPD-Landesvorstand steht jetzt vor dem Problem, ob er den Delegierten beim Parteitag am 29. Mai einen oder doch zwei Kandidaten für den Landesvorsitz vorschlägt. Schostok will trotz des eindeutigen Votums der Basis in Stade gegen Lies antreten. Und sogar die weit abgeschlagene Monika Griefahn schließt eine Kandidatur beim Parteitag nicht aus.

Er freue sich über die „breite Unterstützung“, sagte Lies nach der Regionalkonferenz in einem Göttinger Gymnasium. Der Landtagsabgeordnete aus Sande (Landkreis Friesland) gab sich in der Stunde des großen Triumphs zurückhaltend. „Beide Kandidaten können Verantwortung übernehmen.“

Lies erhob in Göttingen keine Ansprüche auf den Landesvorsitz, obwohl er nach zehn Runden seine Konkurrenten, den Hannoveraner Landtagsabgeordneten Stefan Schostok überraschend deutlich mit 1542 zu 1237 Stimmen distanziert hatte. Ex-Umweltministerin Griefahn kam auf 386 Stimmen.

Nach der Deutung von SPD-Landesgeschäftsführer Michael Rüter müsste der Vorstand Lies bei seiner Sitzung am kommenden Freitag angesichts des deutlichen Vorsprungs als neuen Landeschef vorschlagen. Der mächtige Bezirk Hannover begann aber bereits am Sonnabend damit, den Sieg des Kandidaten aus Weser-Ems umzudeuten. Schostok selbst sagte: „Ich trete auf dem Landesparteitag nach dem heutigen Stand an.“

Es gebe „keine Automatik“, erklärte der Fraktionschef im Landtag, Wolfgang Jüttner. Der Landesvorstand müsse mit dem Mitgliedervotum „angemessen umgehen“. Detlef Tanke, Bezirksvize von Braunschweig, und Lies-Unterstützer, lächelte süffisant. Er sei entspannt und freue sich auf die kommende Woche. Das Mitgliedervotum ist nicht bindend für die Delegierten beim Parteitag.

In Göttingen kam Lies nur auf 69 Stimmen, Schostok dagegen auf 286. Die 24 Stimmen für Griefahn waren eine Randnotiz. Die Reaktion des scheidenden Landeschefs Garrelt Duin (Hinte) kann man als Wink verstehen. Lies und Schostok seien zwei Persönlichkeiten, bei denen „die Führung von Partei und Fraktion in guten Händen liegen wird“, erklärte Duin.