GOSLAR - Die Einwohner von Goslar stimmen am Sonntag darüber ab, ob ihr umstrittener Oberbürgermeister Henning Binnewies (SPD) sein Amt vorzeitig aufgeben muss. Das in der Geschichte der Stadt einzigartige Abwahlverfahren hatten die sechs Ratsfraktionen gemeinsam eingeleitet, weil sie sich eine weitere Zusammenarbeit mit dem seit 2006 amtierenden Stadtoberhaupt nicht vorstellen können. Die reguläre Amtszeit von Binnewies endet 2014.
Die Lokalpolitiker werfen dem 61-Jährigen unter anderem einen unangemessenen Umgang mit Bürgern, Mitarbeitern und gewählten Volksvertretern vor. Zudem kritisieren sie ein fehlerhaftes Finanzmanagement und eine unzureichende Kommunikation des Oberbürgermeisters. Im Rathaus heißt es, Binnewies amtiere teilweise arrogant und selbstherrlich und sei absolut beratungsresistent.
Selbst innerhalb der eigenen Partei fehlt dem Oberbürgermeister längst jeder Rückhalt. Auch der aus Goslar stammende SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel, der Binnewies für das Amt empfohlen und öffentlich lange geschwiegen hatte, empfahl zuletzt öffentlich die Abwahl. Im vergangenen Jahr waren in der hoch verschuldeten Stadt die Emotionen besonders hochgekocht, als bekanntwurde, dass Binnewies statt des bis dahin genutzten Mittelklassewagens einen Luxus-Phaeton als Dienstwagen bestellt hatte. Der OB hatte daraufhin einen Rückzieher gemacht und sich für einen VW Passat entschieden.
Einen freiwilligen Rücktritt hatte Binnewies abgelehnt. Verhandlungen darüber waren im Februar an hohen Geldforderungen gescheitert. Er soll rund 250 000 Euro verlangt haben. Der OB selbst hat zuletzt wiederholt alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und auf die aus seiner Sicht erfolgreiche Amtsführung verwiesen.
