Hannover/Etzel - Niedersachsen gilt als Energieland Nr. 1 in Deutschland. Erdgasreserven und etwa ein Drittel der Erdölproduktion und -reserven lagern hier über und vor allem unter der Erde. Über dieses gewaltige Potenzial wacht eine mächtige Behörde: das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit Sitz in Hannover, Clausthal, Meppen und Celle. Doch nach einem kleinen Leck und einem Ölunfall in einem Gasspeicher in Etzel (Gemeinde Friedeburg/Landkreis Wittmund, Ostfriesland) ist das Landesamt unter Druck geraten.

Von „unhaltbaren Zuständen im allzu wirtschaftsnahen Landesbergamt“ spricht die Bürgerinitiative in Etzel. Sie macht seit Jahren Front gegen den massiven Ausbau unterirdischer Gasspeicher in Ostfriesland und der Region Wilhelmshaven.

In den ausgebauten Speichern lassen sich enorme Mengen an Gas- oder Ölvorräten einlagern – und bei einem guten Preis wieder auf den Markt pumpen. Das ist ein lukratives Geschäft für Energieversorger und Speicherbetreiber wie dem ehemaligen Bundesunternehmen IVG Caverns. Es ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Betreiber von Kavernen. Die hoch verschuldete Muttergesellschaft IVG gehört zu den großen Immobilienunternehmen in Europa mit einem verwalteten Vermögen von 20 Milliarden Euro. Der Konzern hatte sich unter anderem mit Großobjekten am Frankfurter Flughafen übernommen und Schulden in Milliardenhöhe aufgetürmt.

Ausgerechnet ein kleines Ventil, das nur auf einen Zentimeter weit offen stand, führte Mitte November zu einem schweren Ölunfall in dem ostfriesischen Gasspeicher und brachte die IVG in Nöte – und dazu das Landesbergamt. Dieses hatte Dutzende von Speicheranlagen genehmigt, wohl aber nicht genug auf Kontrollsysteme geachtet. So entdeckte erst ein Radfahrer die Ölverschmutzungen. Bis zu 40 000 Liter traten aus. Das IVG-Überwachungssystem hatte davon nichts bemerkt.

Anwohner haben jetzt Strafanzeigen gegen den Betreiber IVG und auch gegen das Landesbergamt gestellt. „Das Amt hat eine Anlage genehmigt, die offenbar nicht den geltenden Sicherheitsanforderungen genügt“, kritisiert Franz Kreutzburg von der Bürgerinitiative. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat die Notbremse gezogen und das Krisenmanagement ins Ministerium geholt. Er will alle unterirdischen Erdöl- und Erdgasspeicher überprüfen lassen. Das Landesbergamt soll Kavernenbetreibern schärfere Überwachungssysteme verordnen. Die Behörde mit 300 Mitarbeitern bekommt nach dem Rücktritt ihres Präsidenten zudem einen neuen Chef, der weniger wirtschaftsnah agieren soll.