Hameln - Grünen-Chefin Meta Janssen-Kucz macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube: „Das tut verdammt weh!“ sagt die Ostfriesin und blickt auf das desaströse Wahlergebnis der Partei bei der Landtagswahl vor wenigen Wochen mit dem Verlust der Regierungsbeteiligung zurück. Ein Gefühl, dass die fast 200 Delegierten auf dem Parteitag an diesem Samstag teilen. Aber nein, in Sack und Asche geht die Ökopartei nicht. Auch Schuldzuweisungen bleiben in der Hamelner Stadthalle aus. Aber bitter war’s schon, dass bei einem Ergebnis von 8,7 Prozent über ein Drittel der früheren Wähler den Grünen den Rücken gekehrt haben. Durch alle Wortmeldungen schimmert ein Wunsch durch: eine „schonungslose Analyse“ soll bis zum Parteitag im Frühjahr erfolgen. Ohne Tabus.

Erste Ansätze liefert schon Hameln. „Wir waren nicht immer sichtbar genug“, räumt Janssen-Kucz zu große Rücksicht auf die SPD ein. Das soll sich in der Opposition sofort ändern. Die Grünen wollen „nervig“ im Landtag sein, kündigt die Parteichefin an. „Lauter und frecher“, ergänzt Fraktionschefin Anja Piel: „Wir werden die Große Koalition treiben.“

Mag sein. Abwarten. Die meisten Delegierten arbeiten sich an den Fehlern, die zur schmerzenden Wahlniederlage führten, ab. „Wir hätten kritischer mit SPD-Kultusministerin Frauke Heiligenstadt umgehen müssen“, klagt ein Grüner. „Wir haben im Wahlkampf nicht die SPD attackiert“, ergänzt der Finanzpolitiker Gerald Heere. „Wir waren in der Koalition mit der SPD kein starker grüner Block“, sagt Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic. „Wir sind besonders beim Thema soziale Gerechtigkeit unter unseren Möglichkeiten geblieben“, räumt selbstkritisch Umweltminister Stefan Wenzel ein, der sich zugleich fragt: „Wir erreichen wir wieder die Menschen? Treffen wir den richtigen Ton? Mit dem richtigen Personal in der richtigen Breite? Verloren haben wir in allen Wählergruppen.“

Rita Schilling aus Oldenburg ruft die Mitglieder auf, „gemeinsam Trauerarbeit zu machen“. Die Grünen brauchten wieder „Persönlichkeiten“. „Den Einzigen, den alle Leute kennen, ist Christian Meyer“, bestätigt eine andere Delegierte.

Der Agrarminister mutiert tatsächlich immer mehr zur Führungsfigur der Grünen in Niedersachsen. Meyers Analysen („Wir hätten uns mit der SPD öfter anlegen müssen“) fallen ebenso scharf wie schonungslos aus: „Ich mache mir große Sorgen um die soziale Gerechtigkeit. Da haben wir verloren. Wir müssen uns in Zukunft um die soziale Spaltung kümmern“, sagt Meyer. Da gehe es um Antworten zur Gesundheitspolitik und Bürgerversicherung sowie Flüchtlingspolitik.

Meyer wirft jedenfalls über die angesagte Trauerarbeit schon den Blick nach vorne. „Ich habe Lust mit euch zu kämpfen und klare Kante in der Opposition zu zeigen“, ruft Meyer unter dem großen Beifall der Delegierten der Parteibasis zu: „Das Niedersachsen-Pferd muss in Zukunft grün sein!“