HANNOVER - Ab morgen wollen die Mediziner das Skalpell aus der Hand legen. Patienten müssen sich auf lange Wartelisten einrichten.

von marco seng,

redaktion hannover

HANNOVER - Die Ärztestreiks in Deutschland weiten sich auf Niedersachsen aus. In den chirurgischen Praxen soll ab 1. Dezember das Skalpell ruhen. Patienten müssen sich auf lange Wartelisten einrichten. Operiert werden soll in den kommenden Wochen nur noch im Notfall. „Unter diesen Bedingungen können wir nicht weiter arbeiten“, sagte der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Chirurgen, Gerd-Dieter von Koschitzky am Dienstag in Hannover. Die Ärzte verlangen eine bessere Bezahlung. Viele der 1530 ambulanten Operateure in Niedersachsen stünden vor der Pleite, kritisierte von Koschitzky. „Mit jeder Operation, die wir durchführen, kommen wir der Insolvenz näher.“

Die Krankenkassen wiesen die Forderungen umgehend zurück. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten sie an die Kassenärztliche Vereinigung, die Honorare unter den Ärzten neu zu verteilen.

Hintergrund des Chirurgen-Protests ist die im April geänderte Gebührenordnung. Damit könnten nicht einmal mehr die Betriebskosten gedeckt werden, erklärte von Koschitzky. Die Ärzte hätten seit April auch keinen Lohn mehr für ihre Leistungen erhalten. Der Vorsitzende der niedersächsischen Belegärzte, Ryszard van Rhee beklagte, dass für eine Mandeloperation nur noch 40 Euro und für eine Entbindung gerade einmal 60 Euro gezahlt würden. Damit könne man bei Praxiskosten von 700 bis 1400 Euro täglich nicht mehr kostendeckend arbeiten. „Zahlreiche Kollegen haben bereits ihre Tätigkeit aufgegeben.“

Auch die Krankenhaus-Chirurgen wollen sich den Warnstreiks anschließen. In den Kliniken herrschten die gleichen Verhältnisse wie in den Praxen, sagte der Chef des Bundesverbandes der Chirurgen, Peter Kalbe. „Das Argument der Kassen, in die Krankenhäuser zu gehen, funktioniert nicht.“ Die Krankenkassen hatten den Patienten geraten, auf die Kliniken auszuweichen falls sie keinen ambulanten Operationstermin erhalten.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) verlangt eine höhere Vergütung für ambulante Operationen, die zudem außerhalb des Budgets gezahlt werden soll. KVN-Vize Volker Steitz verwies auf Baden-Württemberg. Dort sei eine solche Regelung zwischen Ärzten und Krankenkassen ausgehandelt worden. Die Kassen sehen die Schuld dagegen bei der KVN. Sie warnten vor der Verweigerung von Operationen. Das sei rechtswidrig. Die Ärzte gefährdeten mit ihren Forderungen die Stabilität der Beitragssätze.