HANNOVER - Im Streit um die Lagerung von Atommüll im Schacht Asse II bei Wolfenbüttel hat am Mittwoch die evangelische Kirche einen nachlässigen Umgang mit radioaktivem Material kritisiert. Der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Bischof Friedrich Weber aus Wolfenbüttel, äußerte sich „empört“ darüber, dass in der Asse ohne strahlenschutzrechtliche Genehmigung und ausreichende Dokumentation gearbeitet worden sei. Es handele sich um eine ernst zu nehmende Gefahr für Mensch und Umwelt, sagte Weber.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und sein niedersächsischer Amtskollege Hans-Heinrich Sander (FDP) wollen sich an diesem Donnerstag bei einem Treffen in Berlin auf das weitere Vorgehen und neue Zuständigkeiten verständigen. So wird der durch den niedersächsischen Asse-Zwischenbericht stark belastete Betreiber – das Schavan unterstehende Helmholtz-Zentrum München – möglicherweise durch das dem Gabriel-Ressort zugeordnete Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ersetzt. Dann könnte das Atommüllager dem schärferen Atomrecht unterstellt werden. Der Naturschutzbund NABU kündigte eine Klage gegen das BfS an, falls die Asse nicht nach Atomrecht geschlossen wird.
Der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Stefan Wenzel, hält seine Strafanzeige gegen den Betriebsleiter der Asse und die Verantwortlichen bei den Betreibern sowie gegen Umweltminister Sander aufrecht. Auch die Grünen-Bundestagsfraktion hat Klage eingereicht.
Nach Medienberichten hat die niedersächsische Landesregierung erste Konsequenzen gezogen. Der Landesbergbehörde sei mit sofortiger Wirkung die Aufsicht über das ehemalige Salzbergwerk entzogen worden. Gleichzeitig seien zwei Disziplinarverfahren eingeleitet worden.
