HANNOVER - Die Grünen in Niedersachsen haben sich für eine Entnahme von Proben aus dem Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel ausgesprochen. Es sei zu vermuten, dass viele Atommüllfässer vor ihrer Einlagerung falsch deklariert worden seien, so Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel am Dienstag. Für die Langzeitsicherheit sei es jedoch wichtig, genaue Kenntnis über die eingelagerten Substanzen zu haben.

Wenzel regte an, je 20 Fässer aus den nach seiner Ansicht problematischen Kammern vier und zwölf zu untersuchen. Es müsse geprüft werden, ob die eingelagerten radioaktiven Abfälle als Kernbrennstoff zu klassifizieren seien. Für die Einlagerung von Kernbrennstoffen hätten die Betreiber nach dem Atomgesetz keine Genehmigung.

Die Grünen beklagten außerdem fehlende Transparenz hinsichtlich der Forschungsarbeiten in der Asse. Da weder die Betreiber noch das zuständige Bundesministerium in der Lage seien, eine Liste der in dem früheren Salzbergwerk betriebenen Forschungen vorzulegen, müsse bezweifelt werden, dass die Asse tatsächlich einmal Forschungszwecken gedient habe, sagte die wissenschaftspolitische Sprecherin der Landes-Grünen, Gabriele Heinen-Kljajic. Vermutlich sei dies nur als Deckmantel genutzt worden, um Atommüll billig zu entsorgen. Die Vorgänge in der Asse seien damit „nicht nur ein umweltpolitischer, sondern auch ein forschungspolitischer Skandal erster Güte“, sagte sie.

Wenzel bekräftige seine Forderung nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Asse und appellierte an die SPD, diesem nicht länger im Wege zu stehen. Erneut forderte er, das niedersächsische Umweltministerium von der Atomaufsicht zu entbinden.