HANNOVER - Die Polizeigewerkschaft in Niedersachsen fordert einen Stopp der Castor-Transporte. Solange nicht alle Zweifel für eine gesundheitliche Gefährdung beseitigt seien, dürfe der Castor nicht rollen, sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Thomas Kliewer, am Wochenende.
Die vor rund einer Woche gemessenen erhöhten Strahlungswerte im Zwischenlager Gorleben hätten die Polizisten verunsichert. Bei den vergangenen Transporten waren etliche Beamte im Zwischenlager untergebracht. Nach den erhöhten Strahlenmessungen hatte das niedersächsische Umweltministerium vom Betreiber des Zwischenlagers Maßnahmen gefordert, um einen besseren Schutz vor der Radioaktivität zu gewährleisten. Erst wenn die Messergebnisse gesenkt werden können, dürfen neue Castoren auf dem Gelände eingelagert werden.
Für Aufsehen sorgte ein bislang unveröffentlichter Bericht des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes zum Geburtenverhältnis rund um Gorleben. Vor der ersten Einlagerung seien auf 100 Mädchen rund 101 Jungen geboren worden – danach auf 100 Mädchen 109 Jungen. Der statistische Mittelwert liegt bundesweit bei 100 Mädchen auf 105 Jungen. Der Bericht betont: Es sei damit noch kein Beweis auf eine erfolgte Strahlenbelastung im Niedrig-Dosisbereich durch das Lager Gorleben gegeben.
Wann der nächste Transport rollen soll, steht offiziell noch nicht fest. Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) hatte im Juli den vorerst letzten Transport für den November angekündigt.
Am Sonntag blockierten rund 100 Atomkraftgegner und Abgeordnete symbolisch ein Zufahrtstor des Erkundungsbergwerkes in Gorleben. An der Aktion beteiligten sich einem Sprecher zufolge rund 20 Abgeordnete des Bundestags, des niedersächsischen Landtags, des Europarlaments und des Kreistags Lüchow-Dannenberg. Die Polizei zählte etwa 70 Teilnehmer und sprach von einem „friedlichen Routineeinsatz“.
