HANNOVER - Der Streit um die Atommülllager Asse und Gorleben war eines der bestimmenden Themen im Bundestagswahlkampf. Kurz vor dem Urnengang befeuern beide Seiten noch einmal die Debatte. CDU und FDP kündigten an, dass sie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und den Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, als Zeugen in den Asse-Untersuchungsausschuss des Landtags vorladen wollen.

Die Ausschuss-Sprecher von CDU und FDP, Karl-Heinrich Langspecht und Christian Dürr (Ganderkesee), warfen Gabriel vor, er würde dem Ausschuss wichtige Akten vorenthalten. Der Minister müsse alle Dokumente aus seinem Geschäftsbereich „vollständig und ungefiltert“ zur Verfügung stellen. Gabriels Sprecher Tobias Dünow nannte die Vorwürfe „lächerlich, an den Haaren herbeigezogen, absurd“. Alle Akten seien übergeben worden.

Unterdessen sind Akten aufgetaucht, die belegen, dass der Salzstock in Gorleben bei der Suche nach einem Endlager in Niedersachsen in den 70er Jahren nur vierte Wahl war. Aus einer Kabinettsvorlage vom 11. August 1976 geht hervor, dass nach Einschätzung der damalige Landesregierung unter CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht bei der bundesweiten Suche „drei Standorte für den Bau der Anlage in Betracht“ kommen, die alle in Niedersachsen liegen: Börger im Landkreis Aschendorf, Lichtenhorst im Landkreis Nienburg sowie Fallingbostel und Lutterloh im Landkreis Celle. Dort sollten Boden-Bohrungen erfolgen. Im Februar 1977 fiel dann die Entscheidung für Gorleben.

SPD und Grüne vermuten heute politische Gründe hinter der Auswahl. Weil der Landkreis Lüchow-Dannenberg dünn besiedelt sei, habe die Albrecht-Regierung dort den wenigsten Widerstand erwartet, hieß es. Was genau zwischen Sommer 1976 und Anfang 1977 passierte, ist aber teilweise unklar, weil entscheidende Unterlagen fehlen. „Wir vermuten, dass Akten mutwillig vernichtet wurden“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel gegenüber dieser Zeitung.