HANNOVER - Die Vorfälle im Bergwerk Asse bringen die schwarz-gelbe Landesregierung in Bedrängnis. Nach dem Fund von radioaktiver Lauge im Atommüll-Endlager bei Wolfenbüttel erhöht die Opposition den Druck auf Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Die Linkspartei forderte seinen Rücktritt, die SPD nannte ihn ein „Hochsicherheitsrisiko“. Die Grünen drohten mit einem Untersuchungsausschuss. Sie verlangen, dass das Bundesumweltministerium die Aufsicht über das Bergwerk übernimmt. „Wir wollen schlicht und einfach alle Fakten sehen und wissen, was da unten passiert ist“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Rund 126 000 Blechfässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll lagern in dem ehemaligen Salzbergwerk. Sie wurden zwischen 1967 und 1978 in den Stollen gebracht. Seit Jahren dringt Salzlauge in das Versuchsendlager ein. Das Helmholtz-Zentrum als Betreiber und das Landesbergamt als Aufsichtsbehörde wissen davon. Doch wie jetzt bekannt wurde, ist die Flüssigkeit mit Cäsium 137 verseucht. Auch Plutonium und andere radioaktive Stoffe wurden gefunden. Möglicherweise ist ein Unfall aus dem Jahre 1973 die Ursache, als ein Gabelstapler ein Fass beim Verladen beschädigte.

Das Ministerium musste in dieser Woche zugeben, dass die zulässigen Grenzwerte von 10 000 Bequerel pro Kilogramm teilweise um das Neunfache überschritten wurden. Die Opposition tobt und spricht von „katastrophaler Informationspolitik“.

Wenzel erklärte, in Asse sei „völlig rechtswidrig“ ohne strahlenschutzrechtliche Genehmigung mit radioaktiven Stoffen umgegangen worden. Auch das Ministerium zweifelt daran, dass es rechtmäßig war, seit 2005 rund 77 Kubikmeter der radioaktiven Lauge in 975 Meter Tiefe zu pumpen, um die Arbeiter auf der 750-Meter-Sohle nicht zu gefährden. Ministeriumssprecherin Jutta Kremer-Heye kritisierte das Landesbergamt. „Wir erwarten von der Genehmigungsbehörde, dass sie uns offensiver informiert.“ CDU und FDP monierten, der Betreiber habe über Jahre wichtige Informationen zurückgehalten.

Das Ministerium hat zwar einen Stopp des Abpumpens verfügt, die Opposition wirft Sander aber vor, seine Fachaufsicht zu lax gehandhabt zu haben. Der Minister habe offenbar nur durch „puren Zufall“ von den Vorgängen erfahren, sagte die SPD-Umweltexpertin Petra Emmerich-Kopatsch. Der Umweltausschuss des Landtags trifft sich am Freitag erneut zu einer Sondersitzung.