HANNOVER - Der Asse-Skandal bekommt offenbar ein großes politisches Nachspiel. Die SPD-Fraktion will bei einer Sondersitzung am heutigen Dienstag über einen parlamentarischen Untersuchungsausschusses beraten. Wie es hieß, wird SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner den Abgeordneten die Einrichtung eines solchen Kontrollgremiums vorschlagen. Jüttner hatte sich bisher eher skeptisch geäußert. Obwohl die SPD-Fraktion in dieser Frage tief gespalten ist, gilt die Zustimmung als wahrscheinlich. Da auch Grüne und Linke für einen Untersuchungsausschuss sind, kann ihn die Landtags-Opposition gegen die Stimmen der CDU/FDP-Koalition beantragen.

Vor allem die SPD-Abgeordneten aus der betroffenen Region um Wolfenbüttel haben in den vergangenen Tagen offenbar Druck auf die Fraktionsführung gemacht. Unterstützung bekommen sie aus Weser-Ems. Er könne die Argumente für einen Untersuchungsausschuss nachvollziehen, sagte SPD-Landesvize Olaf Lies (Sande) dieser Zeitung. „Ich sehe das Drängen in der Region auf vollständige Aufklärung.“

Jüttner muss als ehemaliger Umweltminister damit rechnen, dass er vor dem Ausschuss aussagen muss. Wie es aus der SPD hieß, hat der Fraktionschef die Sitzung des Umweltausschusses am Montagmorgen abgewartet, um seine Kehrtwende besser begründen zu können. Geladen waren zu der Sitzung unter anderem Vertreter des Landesamts für Bergbau, des TÜV Nord und des ehemaligen Betreibers Helmholtz Zentrum München.

Grüne und Linke fordern einen Untersuchungsausschuss seit langem. Ihrer Ansicht nach tut die Landesregierung zu wenig, um die Vorgänge in dem Bergwerk aufzuklären. Zuletzt waren immer wieder neue Details über das radioaktive Inventar ans Licht gekommen, etwa dass auch die Bundeswehr verstrahlte Altlasten entsorgte. Lautv Medienbericht hat es 1980 einen Unfall mit einem Fass radioaktiver Flüssigkeit gegeben. Danach platzte am 10. September 1980 beim Transport aus Kammer 7 in Kammer 6 auf der 750-Meter-Sohle ein Fass mit schwachradioaktiven Abfällen. In dem ehemaligen Bergwerk bei Wolfenbüttel lagern 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen.

Vieles sei weiter unklar, etwa ob Fässer falsch deklariert worden seien oder ob das Asse-Inventar höhere radioaktive Strahlung enthalte, als angegeben, kritisierte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Das Umweltministerium wies die Vorwürfe zurück. CDU und FDP warfen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vor, die Aufklärung zu behindern.