HANNOVER/BERLIN - Am Morgen sah alles nach einem langweiligen Parlamentstag aus, am Nachmittag jagte eine Krisensitzung die andere. Gegen 19 Uhr trat schließlich SPD-Fraktionsvize Heiner Bartling vor die Presse und verkündete, dass Swantje Hartmann ihre Fraktionsämter und ihr Landtagsmandat bis zur Klärung ruhen lässt. Nur wenige Minuten später folgte eine knappe Pressemitteilung der Delmenhorster Abgeordneten: „An diesen Vorwürfen ist nichts dran.“

Hartmann hatte zu Beginn der Plenarsitzung wie gewohnt ihren Platz in der vierten Reihe eingenommen. Nichts deutete zu diesem Zeitpunkt auf die dramatische Entwicklung der folgenden Stunden hin. Es war offenbar ein Telefongespräch mit Landesparteichef Garrelt Duin gegen Mittag, das den Stein ins Rollen brachte. Gegen drei Uhr unterrichtete die 35-Jährige Fraktionschef Wolfgang Jüttner von ihren Plänen. Nach wenigen Minuten verließ Hartmann das Büro, den Tränen nahe und sprach von Rücktritt von allen Parteiämtern. Jüttner wollte zunächst nichts sagen. Er versammelte sofort den Fraktionsvorstand.

Auf den Fluren des Landtags sprach sich die Nachricht schnell herum. „Ich bedauere das sehr“, sagte der Abgeordnete Hans-Dieter Haase. „Für die Fraktion ist das schlimm“, erklärte Petra Emmerich-Kopatsch. „Ich möchte jetzt nicht in ihrer Haut stecken“, meinte ein SPD-Parlamentarier. Nachdem der Landtag die Diätenerhöhung beschlossen hatte, traf sich der SPD-Vorstand erneut. Zwei Stunden musste Hartmann Rede und Antwort stehen, dann war von Rücktritt keine Rede mehr.

Hartmann ist haushaltspolitische Sprecherin der Fraktion und Mitglied im Fraktionsvorstand. Sie hatte ihren Wahlkreis Delmenhorst trotz der SPD-Verluste bei der Landtagswahl deutlich gewonnen und galt als Hoffnungsträgerin der Fraktion. CDU-Generalsekretär Ulf Thiele forderte Hartmann auf, ihr Landtagsmandat zurückzugeben. SPD-Chef Duin müsse endlich alle Fakten des Skandals um Hartmann und ihren früheren Lebensgefährten auf den Tisch bringen.