HANNOVER/BERLIN - Unruhe in der Niedersachsen-SPD nach neuem Kritikpapier: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und andere wehren sich gegen die Vorwürfe des hannoverschen Bundestagsabgeordneten Gerd Andres. Gabriel, Chef des SPD-Bezirks Braunschweig, warf seinem Parteikollegen Provokation vor. „Die Art der Auseinandersetzung, wie sie Gerd Andres öffentlich führt, schadet der SPD“, sagte Gabriel dieser Zeitung.
Die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Swantje Hartmann (Delmenhorst) nannte die Forderung von Andres, die vier SPD-Bezirke in Niedersachsen aufzulösen, eine „lebensferne Debatte“. Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Wolfgang Jüttner, sagte, er halte eine „Personalisierung der Probleme“ für falsch. SPD-Landeschef Garrelt Duin (Hinte), auch Chef des Bezirks Weser-Ems, wollte sich nicht äußern.
Andres forderte in einem Schreiben eine Entmachtung der SPD-Bezirke zugunsten eines starken Landesverbandes. Erst jüngst hatten der Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil mit einem Kritikpapier für Aufregung gesorgt.
Gabriel erklärte, Andres baue wohl eher Sündenböcke auf, um von den inhaltlichen und personellen Defiziten in der SPD abzulenken. Notwendig sei eine inhaltliche Debatte. „Die führt die SPD gerade in ihrer Zukunftskommission.“ Hartmann forderte, „die öffentliche Selbstbeschädigung der SPD“ zu beenden. Die Ursache für die Niederlage bei der Landtagswahl liege in einem „Vertrauensverlust der SPD“.
Jüttner sagte, „die Stärkung des Landesverbandes ist dringend geboten“. Eine Abschaffung der Bezirke löse keine Probleme. Die beiden Vize-Bezirkschefs aus Weser-Ems, Hanne Modder (Bunde) und Gerd Will, forderten eine Straffung der Arbeit der Bezirke und die Berufung eine Landes-Generalsekretärs.
In Niedersachsen streiten traditionell der Bezirk Hannover auf der einen und Weser-Ems und Braunschweig auf der anderen Seite um die Macht.
