HANNOVER - Die Orte sind Christian Wulff vertraut, die Zeit, als er ohne große Aufsehen vor der Staatskanzlei oder dem Landtag in Hannover vorfahren konnte, aber endgültig vorbei. Der Bundespräsident und seine Ehefrau Bettina werden beim offiziellen Antrittsbesuch in Niedersachsen von einem Großaufgebot an Polizisten und Journalisten begleitet.

In der Staatskanzlei wartet am Morgen Ministerpräsident David McAllister (CDU) auf das Staatsoberhaupt. „Sickert, wann kommt er denn?“, ruft McAllister aus seinem Fenster im zweiten Stock. „Um zehn“, antwortet Regierungssprecher Matthias Sickert von unten. Fünf Minuten später fährt Wulff pünktlich vor seinem früheren Amtssitz vor, Motorradeskorte vorneweg, Polizeipferde am Straßenrand. Die Mitarbeiter der Staatskanzlei haben sich draußen versammelt, ein Fanfarenzug spielt Michael-Jackson-Hits. McAllister begrüßt Wulff und seine Frau – das Protokoll für Besuche des Bundespräsidenten ist streng. Für Emotionen bleibt trotzdem Platz. Beim Programm gibt es dagegen wenig Spielraum. Das Bundespräsidialamt habe Vorschläge abgelehnt, heißt es.

„Es ist ein emotionales Gefühl, weil ich an meine alte Wirkungsstätte zurückkomme“, sagt Wulff auf dem Weg in die Staatskanzlei. „Niedersachsen ist meine Heimat und bleibt meine Heimat.“ Vieles sei übersichtlicher und leichter als in Berlin.

Am Landtag und vor dem Neuen Rathaus applaudieren einige Bürger dem Bundespräsidenten. Er sei extra aus Braunschweig gekommen, erzählt Berthold Ahrens dem Staatsoberhaupt. Ein anderer will wissen, wie es mit dem maroden Plenarsaal weitergeht. „Dafür bin ich nun wirklich nicht mehr zuständig“ antwortet Wulff lachend. Vor dem Rathaus winken kleine Kinder. Der Bundespräsident und seine Frau nehmen sich eine Minute, um mit dem Volk zu plaudern.

Wulff muss sich in Goldene Bücher eintragen. Von CDU-Landtagspräsident Hermann Dinkla (Westerholt) erhält er eine Sammlung seiner Landtagsreden und „deftigen Zwischenrufe“. Von Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) gibt es ein Schloss-Gemälde und einen edlen Rosenstock für Bettina Wulff. Handwerks-Präsident Karl-Heinz Bley (Garrel) ehrt den Ex-Ministerpräsidenten für seine Verdienste mit dem Ehrenring des niedersächsischen Handwerks. Der Mensch Christian Wulff sei derselbe geblieben, stellt FDP-Fraktionschef Christian Dürr (Ganderkesee) fest. Dann fliegen die Wulffs weiter nach Stade.