HANNOVER - Die Staatsanwaltschaft Hannover will Informationen über eine Reise von Christian Wulff prüfen. Im Herbst 2007 hatte Filmunternehmer David Groenewold für Wulff und dessen spätere Frau Bettina einen viertägigen Hotelaufenthalt auf Sylt bezahlt. Kosten: 258 Euro pro Nacht. Auch Groenewold residierte in dieser Zeit im „Hotel Stadt Hamburg“ auf Sylt.

Heikel ist der Fall, weil der Filmunternehmer offenbar versucht hat, die Buchung zu vertuschen. Die „Bild“-Zeitung berichtete am Mittwoch von einem Anruf Groenewolds beim Hotel am 16. Januar diesen Jahres. Die Zeitung druckte eine Anweisung an Hotelangestellte ab, keine Informationen herauszugeben. Am 20. Januar erschien Groenewold auf Sylt und verlangte – mit Erfolg – die Herausgabe von Belegen. Das bestreitet Groenewolds Anwalt Christian-Oliver Moser nicht. Er erklärte aber, Groenewold sei es um Informationen gegangen. „Es gab nicht mal ansatzweise den Versuch meines Mandanten, etwas zu vertuschen.“ Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte, Wulff habe die Kosten in voller Höhe in bar an Groenewold bezahlt.

Die Staatskanzlei bestätigte am Mittwoch, dass Groenewold an drei Filmprojekten in Niedersachsen beteiligt war. „Zwei dieser Projekte wurden aus Mitteln des Landes gefördert“, erklärte Regierungssprecher Franz-Rainer Enste. So flossen beim Film „Das Wunder von Lengede“ 1,8 Millionen Euro aus Landesmitteln. Bei dem Film „Tsunami“ waren es 250 000 Euro.

Groenewold hatte 2007 in Hannover einen Ableger der Odeon Film AG gegründet. Waterfall Productions soll nach Angaben der „Bild“-Zeitung eine Millionen-Landesbürgschaft erhalten haben. Dies dementiert Wulffs Anwalt Lehr.

SPD-Fraktionschef Stefan Schostok begrüßte die Prüfung der Staatsanwaltschaft. „Es ist höchste Zeit, dass Ministerpräsident McAllister und Finanzminister Möllring ihre alberne Verteidigungsstrategie vom Einzeltäter Glaeseker beenden.“

Hans-Henning Adler (Oldenburg), Fraktionschef der Linken, sagte, wenn Groenewold vom Land eine Millionenbürgschaft erhalten und Wulffs Hotelrechnung übernommen haben sollte, deute dies alles in Richtung Korruption.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Stefan Wenzel sagte mit Blick auf die Ermittlungen gegen Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker, es erschließe sich ihm nicht, „warum nur bei einem ehemaligen Mitarbeiter der Staatskanzlei genauer hingeschaut wird“.

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