HANNOVER - Am Tag nach der Kabinettsumbildung gab es in der CDU-Fraktion Blumen, aber auch deutliche Worte und traurige Gesichter. Die vier von Ministerpräsident Christian Wulff gefeuerten Minister wurden mit lange anhaltendem Applaus empfangen. Bei den Nachfolgern, die Wulff am Nachmittag präsentierte, war der Beifall eher höflich – mit Ausnahme des neuen Kultusministers Bernd Althusmann, der lange zur Fraktion gehörte.
Der geschasste Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (Oldenburg) ließ sich die Enttäuschung nicht anmerken. Als er den Saal betrat, wurde Stratmann sofort von den Abgeordneten aus dem Oldenburger Land umringt: Schulterklopfen, freundliche Worte, Umarmungen. Die ebenfalls scheidende Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann hatte da schon mehr Mühe, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Und selbst Innenminister Uwe Schünemann wirkte nicht gerade fröhlich. Dass Wulff ihm die Zuständigkeit für Integration weggenommen hat, wird allgemein als Gelbe Karte gewertet. Der Ministerpräsident hatte bereits am Montag deutlich gemacht, dass er in anderen Bereichen von Schünemann Ergebnisse erwartet.
Zur aufgekratzten Stimmung vor der Fraktionssitzung gehörte bei einigen Abgeordneten auch leises Grummeln über die Kabinettsumbildung. Gute Arbeit zähle offenbar weniger als ein Migrationshintergrund, meckerte ein CDU-Politiker hinter vorgehaltener Hand über die Berufung der Deutsch-Türkin Aygül Özkan zur neuen Sozialministerin, die ständig von türkischen Medienvertretern umringt war. „Ein oder zwei werden sicher einen mitkriegen“, meinte ein anderer Abgeordneter zur anstehenden Wahl des Fraktionsvorstands.
Am Ende war es ausgerechnet Fraktionschef David McAllister, der einen mitbekam – mit elf Gegenstimmen und nur 83,6 Prozent. Falls irgendjemand mit den Entscheidungen des Ministerpräsidenten nicht einverstanden gewesen sei, habe er das „einstecken“ müssen, klagte der Fraktionschef lächelnd. McAllister sei „abgestraft“ worden, spottete die SPD.
Parlamentsgeschäftsführer Björn Thümler (Berne) wurde dagegen mit 92,7 Prozent souverän im Amt bestätigt. Auch die drei Arbeitskreissprecher aus dem Nordwesten behalten ihre Posten: Uwe Biester (Wilhelmshaven) bleibt zuständig für Recht, Jens Nacke (Wiefelstede) für Wissenschaft und Clemens Große Macke (Addrup) für Landwirtschaft.
Bei der neuen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) gehen die Meinungen in der Fraktion auseinander. Einige halten sie für parlamentarisch zu unerfahren. Sie werde keinen leichten Stand haben gegen die Männer, die ihren Job wollten, hieß es.
