HANNOVER - Am Mittag informierte Christian Wulff die Mitarbeiter seiner Staatskanzlei, dann erklärte er im CDU-Landesvorstand seinen Schritt. Der Ministerpräsident gibt im Juni sein Amt als Parteichef auf. Was für viele unerwartet kam, stand aber offenbar schon länger fest. Bereits im Februar soll Wulff der Koalitionsspitze den Wechsel angekündigt haben. Neuer starker Mann der Christdemokraten wird Fraktionschef David McAllister. Wulffs Kronprinz soll beim Landesparteitag im Juni inthronisiert werden.

CDU-Fraktionsvize Björn Thümler (Berne) sprach von einer „großen Überraschung“. Wulff habe dadurch einen frühzeitigen Generationswechsel eingeleitet. Der Landtagsabgeordnete Jens Nacke (Wiefelstede) begrüßte den Wechsel zu McAllister. „Ich bin sicher, dass er die CDU gut führen wird.“ Aus Parteikreisen hieß es, es habe sich seit längerem abgezeichnet, dass McAllister Nachfolger von Wulff werden solle. Der Zeitpunkt sei aber überraschend gewesen. Auch in der CDU halten viele es für möglich, dass der Ministerpräsident nach der Bundestagswahl 2009 nach Berlin wechseln will. Dann wäre der Weg für McAllister in die Staatskanzlei frei. Konkurrenz von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die als mögliche Wulff-Nachfolgerin gehandelt wurde, muss er offenbar nicht mehr fürchten.

Wulff schloss am Freitag einen Wechsel in die Bundespolitik aus. „Ich bin auf Niedersachsen fixiert.“ Er wolle sich aber als niedersächsischer Regierungschef künftig verstärkt auch „auf der bundespolitischen Ebene“ äußern und an den Vorhaben der Großen Koalition mitarbeiten. Wulff erklärte den Verzicht auf eine erneute Kandidatur damit, „dass es nach 14 Jahren Amtszeit an der Zeit ist, die Union personell breiter aufzustellen“ und mit McAllister im Tandem zu arbeiten.

McAllister sagte, er sei bereit, diese Verantwortung zu übernehmen und freue sich „auf diese schöne neue Herauforderung“. Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten wies er zurück. „Christian Wulff ist Ministerpräsident und ich möchte, dass Christian Wulff auch über die Jahre 2013 und 2018 hinweg Ministerpräsident bleibt.“

Beim Koalitionspartner FDP löst die Ankündigung Spekulationen aus. Die Frage, wer 2013 als Spitzenkandidat der CDU antrete, sei damit offen, sagte ein FDP-Politiker. Es werde jetzt schwieriger für Wulff, Macht in der Partei auszuüben.

Die Opposition rechnet damit, dass McAllister in den kommenden fünf Jahren Wulff auch als Ministerpräsident ablösen wird. „Die CDU läuft Gefahr, dass sie die Doppelspitze nicht in den Griff bekommt“, verwies Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel auf die Probleme der CSU in Bayern.