HANNOVER - Der Spitzenkandidat kann sich einen kleinen Scherz nicht verkneifen. „Ich will nicht viele Worte verlieren, weil die Sache klar ist“, leitet CDU-Fraktionschef David McAllister seine Lobrede auf Christian Wulff ein. „Sag einfach, dass du es machst“, fährt ihm der Ministerpräsident vom Podium aus in die Parade – zur großen Erheiterung der 114 Delegierten in einem Messehotel in Hannover.

Natürlich macht McAllister es nicht, Wulff macht es wieder. Das Landeslistengremium bestätigt den 48-Jährigen in einer offenen Abstimmung mit 100 Prozent der Stimmen. Blumen, Umarmungen, stehende Ovationen – der Regierungschef führt die CDU in die Landtagswahl 2008. Für seinen „überragenden Einsatz zum Wohle der Menschen in Niedersachsen“, hat der Fraktionschef ihn zuvor gelobt. Nicht einer im Saal würde es wagen, an dieser Deutung zu rütteln.

Wulff zeichnet in seiner „Bewerbungsrede“ ein positives Bild seiner ersten vier Amtsjahre. Die Sparpolitik sei erfolgreich, die Unterrichtsversorgung hervorragend, die Privatisierung der Landeskrankenhäuser planmäßig verlaufen, und auch beim Jade-Weser-Port gebe es keine gravierenden Probleme. Der Ministerpräsident rechnet mit bis zu 80 von 87 Direktmandaten für die CDU, hält die Wahl aber noch nicht für gelaufen. „Das Erreichte ist kein Grund, sich auszuruhen.“ Die CDU müsse ihr Profil verändern. Er nennt die Familien- und Umweltpolitik. Wulff schimpft die Opposition „Dauernörgler“. Vor seinem SPD-Konkurrenten Wolfgang Jüttner warnt er eindringlich: Der würde sich auch von der Linkspartei wählen lassen. Wulff glaubt allerdings nicht an einen Einzug der PDS-Nachfolger in den Landtag. Koalieren will er wieder mit der FDP, schließt aber Gespräche mit SPD und Grünen nicht aus.

Die CDU wählt ihre Landesliste so schnell wie keine andere Landtags-Partei. Nach kaum mehr als einer Stunde sind die 113 Namen abgehakt. Die erwarteten Kampfkandidaturen im Bezirk Hannover fallen aus. Gansäuer habe nachts noch die Probleme beseitigt, sagt Wulff. Gemeint ist Landtagspräsident Jürgen Gansäuer, auch Bezirkschef von Hannover. Um 0.38 Uhr in der Nacht auf Sonnabend hatte sich die „Kurfürstenrunde“ der acht Landesverbands- und Bezirkschefs endgültig auf die Reihenfolge geeinigt. Die Delegierten müssen sie nur noch abnicken.

„Der Landesverband Oldenburg hat besser abgeschnitten als beim letzten Mal“, kommentiert Wissenschaftsminister Lutz Stratmann. Er selbst steht auf Platz sechs. Nach Wulff folgen McAllister auf zwei und Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann auf drei. Erster Ostfriese ist Generalsekretär Ulf Thiele (Uplengen) an elfter Stelle. Auf 14 steht Björn Thümler (Berne), auf 21 Annette Schwarz (Delmenhorst), auf 26 Uwe Biester (Wilhelmshaven), auf 29 Ansgar-Bernhard Focke (Ganderkesee), auf 41 Jens Nacke (Wiefelstede).

Bei einem hohen Wahlsieg der CDU und vielen Direktmandaten ist ein guter Listenplatz allerdings keine Garantie für den Einzug ins Parlament. Wulffs Prognose: „Die Liste wird gar nicht ziehen.“