HANNOVER - HANNOVER/DPA - Der Chef des Autozulieferers Conti Manfred Wennemer ist im niedersächsischen Landtag wegen der geplanten Schließung der Pkw-Reifenproduktion am Traditionsstandort Hannover-Stöcken schwer attackiert worden – und zwar parteiübergreifend. SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner warf Wennemer am Mittwoch „ökonomische Skrupellosigkeit“ vor, der Grüne Enno Hagenah sprach von einer „bösartigen Steigerung des Turbokapitalismus“ und rief zu einem Kunden-Boykott auf. Auch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) kritisierten die angekündigte Schließung des profitablen Standortes.
Vor zwei Wochen hatte Conti angekündigt, die Pkw-Reifenproduktion in Stöcken mit 320 Beschäftigten Ende 2006 stillzulegen. Mit der Entscheidung hatte Wennemer, unter dessen Führung der Konzern Rekordgewinne verzeichnet, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst – der nun auch den Landtag erfasste. Jüttner etwa schimpfte: „Ein Wennemer-Kapitalismus zerstört Rechts- und Planungssicherheit und gefährdet mittelfristig den sozialen Frieden in Deutschland.“
Den meisten Beifall bekam ein Unions-Abgeordneter: Max Matthiesen. Wennemer sei ein „geldgetriebener Manager“, der seine soziale Verantwortung verloren habe, wetterte Matthiesen. Wennemer habe einen „nie da gewesenen Vertrauensbruch“ begangen. Der Conti-Vorstand hatte eine erst im Frühjahr geschlossene Betriebsvereinbarung zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Pkw- Reifenproduktion gekündigt – zum Erhalt ihrer Jobs hatten die Beschäftigten damals längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zugestimmt.
