Hannover - Mit über einer halben Milliarde Euro sollen die Schulen in Niedersachsen besser auf das digitale Zeitalter und seine Herausforderungen vorbereiten. 522 Millionen Euro sollen in Medienbildung, in neue Geräte wie interaktive Tafeln sowie in die Infrastruktur investiert werden. Das sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bei der Vorstellung der Pläne, wie Niedersachsen den bundesweiten „Digitalpakt Schule“ umsetzen will.

Die Schulträger haben ab August drei Jahre Zeit, Fördergelder zu beantragen. „Ich gehe davon aus, dass wir die Gelder in 2020 auszahlen können“, sagte Tonne.

90 Prozent der Summe gehen an die Schulen, zehn Prozent sind für landesweite Projekte geplant. Jede der rund 3000 Schulen im Land soll einen Grundbetrag von 30 000 Euro erhalten, wenn sie mehr als 60 Schüler hat – sonst gibt es einen anteiligen Sockelbetrag.

Das Lernen mit digitalen Medien müsse in den Schulen zur Selbstverständlichkeit werden, sonst drohe eine Abkopplung von der Realität, meinte der Minister: „Es geht ganz ausdrücklich nicht um eine Digitalisierung der Schulen und ist auch kein Tablet-Beschaffungsprogramm.“

Kritik kam von der Landtagsopposition. Der schulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, sagte: „Wir vermissen klare Aussagen zu Inhalt und Zeitplan einer Bildungscloud, wir vermissen klare Aussagen zur Medienbildung von Schülern und zur Fortbildung von Lehrkräften.“ Der Philologenverband begrüßte, dass die Mittel schnell und möglichst unbürokratisch in die Schulen fließen sollen. Allerdings müsse nach den Anschubinvestitionen eine Weiterentwicklung gewährleistet sein.

Erleichterung gab es beim Niedersächsischen Städtetag darüber, dass das Land auf einen zehnprozentigen Eigenanteil der Kommunen bei der Förderung der Maßnahmen verzichten will. „Für dieses Engagement gebührt dem Land unser kommunaler Dank“, sagte der Städtetagspräsident, Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Die Fördersumme von 522 Millionen Euro setzt sich zusammen aus 470 Millionen Euro aus Bundesmitteln sowie einer Aufstockung durch das Land von 52 Millionen Euro. Der Städtetag will aber sichergestellt wissen, dass die Betreuung der IT-Infrastruktur nicht den Kommunen aufgebürdet wird. Das Kultusministerium verwies darauf, dass es sich bereits mit 16 Millionen Euro daran beteiligt.