HANNOVER - Nach einer Experten-Anhörung im Landtag zur Klärung der rätselhaften Leukämie-Fälle in der Elbmarsch gibt es Pläne, neue Untersuchungen von Bodenproben zu veranlassen. Trotz eines Wissenschaftler-Streits sollten sich die verschiedenen Seiten auf ein Messprogramm einigen, sagte der Atomexperte der Grünen- Fraktion, Andreas Meihsies, am Donnerstag nach der zweitägigen Anhörung von Fachleuten in Hannover. Unter notarieller Aufsicht sollten noch einmal Bodenproben genommen werden.

Die Sozialausschuss-Vorsitzende Gesine Meißner (FDP) sagte zu einem neuen Untersuchungsprogramm: „Es wäre eine Möglichkeit.“ Wissenschaftler wollen klären, ob es einen Zusammenhang zwischen den Leukämie-Erkrankungen und den nahe gelegenen Atomanlagen gibt. Die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch hält einen vertuschten Atomunfall für die Ursache.

Experten hatten Bodenproben untersucht, waren in ihren Gutachten aber zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Auch bei der Anhörung des Sozialausschusses im niedersächsischen Landtag prallten die Positionen der Wissenschaftler aufeinander. Die Ergebnisse müssten noch bewertet werden, hieß es aus den Landtags-Fraktionen. „Sie wissen nicht, auf welche Seite sie sich schlagen sollen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Meihsies angesichts der gegensätzlichen Gutachten.

Von 1990 bis 2006 waren in der Umgebung des Atomkraftwerks Krümmel und des Forschungskernreaktors in Geesthacht (Schleswig-Holstein) südlich von Hamburg 16 Blutkrebs-Erkrankungen bei Kindern unter 15 Jahren gemeldet worden. Auch in der niedersächsischen Samtgemeinde Elbmarsch (Kreis Harburg) waren Fälle aufgetreten. Der Raum Geesthacht weist damit eine der weltweit größten Häufungen auf.

Unklar blieb nach der Experten-Anhörung in Hannover, woher die rätselhaften, Millimeter großen Kügelchen stammen, die im Boden gefunden worden. Der russische Atomforscher Vladislav Mironov, der am Donnerstag im Landtag über seine Untersuchungen informierte, will Radioaktivität nicht natürlichen Ursprungs nachgewiesen haben. Ein anderer Wissenschaftler habe dies dagegen nicht festgestellt, berichteten die

Mitglieder des Sozialausschusses. Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Norbert Böhlke, sagte, die Fraktion lasse sich Zeit, um die nächsten Schritte zu vereinbaren.