HANNOVER - Baden-Württemberg will sich an der Suche nach einem Atomendlager für hoch radioaktiven Müll beteiligen. Grüne und SPD wollen offenbar in ihrem Koalitionsvertrag vereinbaren, sich für eine ergebnisoffene bundesweite Suche einzusetzen. Baden-Württembergs künftiger Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) hatte angekündigt, die Untersuchung von Tonschichten in seinem Land zuzulassen. Eine Festlegung auf den Salzstock Gorleben in Niedersachsen könnte damit beendet sein.

Der Vorstoß aus Stuttgart wurde bundesweit begrüßt. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU, Bild) forderte Kretschmann auf, konkrete Standort-Vorschläge zu machen. „Das wäre konsequent“, sagte McAllister. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) verlangte einen Vergleich des Salzstocks Gorlebens mit anderen potenziellen Standorten. „Wettbewerb belebt das Geschäft.“

Die Grünen-Fraktionschefin im EU-Parlament, Rebecca Harms, nannte den Vorstoß „mutig und profilbildend für die neue Landesregierung“. Der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Stefan Wenzel, kritisierte die Forderungen von McAllister und Sander nach konkreten Vorschlägen.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz und Bürgerinitiativen lobten Baden-Württemberg. Bayern allerdings bleibt bei seinem Nein zur Standortsuche im Freistaat.