HANNOVER - Viele Kandidaten mussten zittern bis spät in die Nacht. CDU-Mann Burkhard Balz (Stadthagen) konnte am Ende jubeln. Er zog über die Landesliste ins Europaparlament ein. Für SPD-Frau Erika Mann (Bad Gandersheim) endete der Wahlabend traurig. Die langjährige Abgeordnete scheiterte knapp. Bei den Grünen schaffte überraschend Jan-Philipp Albrecht (Wolfenbüttel) den Sprung nach Brüssel.

„Offiziell wussten wir es erst um 1.30 Uhr“, sagte CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Uplengen) am Montag. So spät war es bereits, als der Bundeswahlleiter das offizielle Ergebnis der Europawahl bekannt gab. Doch bereits gegen halb elf habe man aus dem Bundestrend ablesen können, dass es für Balz reichen würde. Der Neuling hatte auf Platz vier der CDU-Landesliste kandidiert. Das gute Ergebnis der Christdemokraten in Niedersachsen sicherte ihm den Einzug ins EU-Parlament. Für Thiele ist es „kein Beinbruch“, dass die CDU nur vier statt fünf Abgeordnete stellt. „Wir haben unsere Wahlziele erreicht.“

Umgekehrt waren die Vorzeichen bei der SPD. Nach den ersten Hochrechnungen sah es danach aus, dass die Bundesliste bis Platz 24 ziehen würde. Dann wäre Erika Mann als dritte SPD-Abgeordnete aus Niedersachsen wieder ins EU-Parlament eingezogen. Doch als die Sozialdemokraten später unter die 21-Prozent-Marke sackten, waren es nur noch 23 Sitze.

Mann sei „ärgerlich und frustriert“, berichteten Parteikollegen. „Sie wird uns sehr fehlen“, sagte Landeschef Garrelt Duin (Hinte). Er forderte Landeslisten wie bei anderen Parteien. Dann hätte die SPD in Niedersachsen drei oder vier Abgeordnete nach Europa schicken können. Was den Parteichef besonders wurmt: Bayerns SPD stellt künftig drei Abgeordnete in Brüssel – trotz ihres Wahldebakels. Duin will die Niederlage seiner Partei aber nicht als schlechtes Vorzeichen für die Bundestagswahl sehen. „Ich glaube weiterhin, dass wir eine gute Chance haben, dann wieder die meisten Wahlkreise zu gewinnen.“

Die Grünen hatten nicht unbedingt damit gerechnet, einen zweiten Sitz für Niedersachsen zu erobern. Doch nach den ersten Hochrechnungen wurde schnell klar, dass es auch für Jan-Philipp Albrecht auf Platz zwölf der Landesliste reichen würde. FDP und Linke stellen jeweils eine Abgeordnete im Europaparlament. Die FDP konnte laut Generalsekretär Oliver Liersch 100 000 Wählerstimmen dazugewinnen. Aus Sicht von Grünen-Landeschefin Stefanie Henneke haben die Liberalen von enttäuschten CDU-Wählern profitiert.