HANNOVER - Gelingt dem Führungs-Duo aus Niedersachsen der Stimmungsumschwung in Karlsruhe? FDP-Chef Philipp Rösler und sein Generalsekretär Patrick Lindner stehen an diesem Wochenende so sehr unter Druck wie nie zuvor. Von Rösler erwarten die Delegierten an diesem Sonnabend eine fulminante Rede gegen die Depression der Umfragen. Döring muss die liberale Basis von seinem Grundsatzprogramm mit dem alles überragenden Thema Wachstum überzeugen. Er erhält mit der Abstimmung am Sonntag die (erwartete) Bestätigung – oder der Mann aus Stade steht schon wenige Monate nach Amtsantritt beschädigt da.

Alle Augen richten sich natürlich auch auf Röslers Gegenspieler: die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 6. Mai in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, und für die am 13. Mai in Nordrhein-Westfalen, Christian Linder. „Beide werden eine starke Rede halten“, ist man in Röslers Umgebung überzeugt. Jubelt die frustrierte Parteibasis Linder und Kubicki vielleicht sogar mehr zu als dem Parteivorsitzenden? „Im Saal werden viele mit der Stoppuhr sitzen“, sind sich Rösler-Vertraute sicher.

Niedersachsens FDP-Fraktionschef Christian Dürr erwartet „Geschlossenheit“ von dem Treffen. „Wichtig wird auch unser neues Grundsatzprogramm, mit dem wir zeigen, wo die FDP steht“, sagte Dürr im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Ganderkeseer setzt auf eine „klare marktwirtschaftliche Ausrichtung, die Wachstum und Schuldenabbau verbindet“. Dörings Vorarbeiten nennt Dürr einen „großen Wurf“.

Besonders Lindners Auftritt, der erst im Dezember sein Amt als Generalsekretär dem Parteichef vor die Füße warf, verspricht Spannung. Als kürzlich der NRW-Spitzenkandidat gesucht wurde, zogen sich Lindner und Landeschef Daniel Bahr mit Vertrauten in einem Düsseldorfer Hotel zurück – und ließen Rösler demonstrativ eine Etage tiefer schmoren. Röslers Rat war nicht gefragt. Welch’ ein Affront.

Oder gibt es gar wieder einen so fulminanten Auftritt von Ex-Parteichef Guido Westerwelle wie beim Konvent in Frankfurt? Dort riss der Außenminister mit einer Rede für den Euro zu Begeisterungsstürmen hin – vergessen, dass die gleichen Delegierten ihn Monate zuvor zum Rücktritt genötigt hatten. Vieles ist möglich.