HANNOVER - Die Freude der ersten „Boat People“ aus Vietnam war groß – als sie sich nach 30 Jahren an dem Ort wiedersahen, an dem ihr neues Leben begann. Vor 30 Jahren, am 3. Dezember 1978, landeten sie mit dem Transportflugzeug der Bundeswehr in Hannover-Langenhagen. Am Mittwochabend nahmen die ehemaligen Flüchtlinge nun an einem Festakt der niedersächsischen Landesregierung am Flughafen teil.
„Es war eine bis dahin einzigartige humanitäre Aktion des Landes Niedersachsen“, so Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Keine Regierung der Welt habe die Menschen aufnehmen wollen. Der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU), der auch am Festakt teilnahm, entschied 1978 spontan und unbürokratisch, den Menschen zu helfen. Er hatte Fernsehbilder von den Flüchtlingen auf dem völlig überfüllten Frachter „Hai Hong“ gesehen, die die ganze Welt erschütterten. Für seine Hilfe danken ihm die Zuwanderer 30 Jahre später erneut.
„Das gütige Lächeln des Ministerpräsidenten auf dem Flughafen wird uns immer in Erinnerung bleiben“, sagte Dam Thanh Tran in seiner Ansprache. Der damals 14-Jährige bekam nach der Landung in Hannover zunächst einen Klimaschock. Dann folgte der Kulturschock: „In der Empfangshalle kamen mir alle wie Riesen aus dem Märchenland vor.“
Und noch etwas weiß er ganz genau: Das deutsche Essen machte allen Flüchtlingen zu schaffen. „Zu viel Salz, Fleisch und Fett. Und immer wieder Kartoffeln – in allen Variationen“, berichtete er schmunzelnd. Doch sein Leben wurde nun sorgenfrei und unbeschwert.
Dass sich die Flüchtlinge schnell einlebten, dafür sorgte auch Hildegard Prahl. Als „Mutter der Flüchtlingskinder“ traf die heute 84-jährige einstige DRK-Helferin bei der Feier viele ihrer Schützlinge wieder. „Ich habe den Kindern zum ersten Weihnachtsfest das Lied „Oh Tannenbaum“ beigebracht“, schilderte die Rentnerin. Die jungen Flüchtlinge hätten ihr Bilder gemalt, berichtet sie stolz. Auf fast allen Bildern ist ein Boot zu sehen.
163 Menschen, darunter 71 Kinder, waren mit dem ersten Flug in Hannover gelandet. Insgesamt fanden zunächst 1000 Vietnam-Flüchtlinge in Niedersachsen eine neue Heimat, bundesweit wurden 30 000 Flüchtlinge aufgenommen. „Von einem Bundesland in Deutschland ging ein Signal aus – es war ein Durchbruch in der europäischen Geschichte“, betonte Rupert Neudeck, der mit der „Cap Anamur“ unzähligen vietnamesischen Flüchtlingen das Leben rettete.
Die Dankbarkeit der „Boat People“ war 30 Jahre später noch immer zu spüren.
