HANNOVER - Bernhard Vogel würdigt Albrecht. Er sei machtbewusst, aber nicht machtversessen gewesen.
Von Marco Seng,
redaktion Hannover
HANNOVER - Anekdoten über Ernst Albrecht gibt es viele. Eine der kuriosesten erzählte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) beim Geburtstagsempfang des früheren Regierungschefs. Danach soll Albrecht geschlafen haben, als die Union intern über ihren Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 1980 entschied. Er habe ja auch einen niedrigen Blutdruck, sagte Wulff. Die Gelassenheit, sich bei einer Abstimmung ins Bett zu legen, fehlen ihm aber. „Ich habe geschlafen“, bestätigte der Jubilar, als er nach Wulff ans Mikrofon trat. Er habe ja ohnehin gewusst, dass Franz Josef Strauß das Rennen machen würde.Freunde, Familie und ehemalige Weggefährten waren am Mittwoch in die CDU-Parteizentrale in Hannover gekommen, um Albrecht zum 75. Geburtstag zu gratulieren. Darunter die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, der Hildesheimer Bischof e.m. Josef Homeyer und Landtagspräsident Jürgen Gansäuer. Albrecht sei in kürzester Zeit zu einem der einflussreichsten Politiker Deutschlands aufgestiegen, erklärte Bernhard Vogel. Der Ex-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen ließ in seiner Rede die 14 Regierungsjahre (1976 bis 1990) noch einmal Revue passieren. „Albrecht war machtbewusst, aber nie machtversessen“, lobte Vogel seinen früheren Amtskollegen. Beifall gab es, als Vogel an zwei Menschen erinnerte, die viel für Albrechts Karriere getan hatten: Seine 2002 verstorbene Frau Heidi-Adele und der frühere CDU-Landesparteichef Wilfried Hasselmann.
Wulff verwies auf die politischen Erfolge der Ära Albrecht. Er sei Vorreiter für den Privatfunk gewesen, habe den ländlichen Raum gestärkt, die Expo nach Hannover geholt und Milliarden in den Sozialbereich investiert. Die Erfolge seien nicht in einer Festrede abzuhandeln. Der Jubilar zeigte sich „überwältigt“ und „gerührt“. Lobende Worte fand er für Tochter Ursula von der Leyen, die als Landessozialministerin in seine Fußstapfen tritt.
Als fünf Enkel dem Großvater mit Mozarts „Ave Verum“ gratulierten, bekam der Empfang den Charakter einer Familienfeier.
