HANNOVER - Er war Parteisoldat (im besten Sinn des Wortes): Karl Ravens ging dahin, wo die SPD ihn brauchte – auch wo es wehtat. Wenn der Genosse mit dem lupenreinen Arbeiter-Stammbaum an diesem Freitag seinen 85. Geburtstag feiert, ist die politische Bilanz geprägt von bitterer Ironie der Geschichte. Ravens hat viel geleistet – für Partei und Land. Bekannt geworden ist er aber durch spektakuläre Niederlagen.

Der gelernte Kraftfahrzeugschlosser nahm den Einstieg über Rat und Kreistag. 1961 zog er für Verden erstmals in den Bundestag und machte dort bis 1978 eine mehr als ordentliche Karriere: Parlamentarischer Staatssekretär im Städtebauministerium (1969), gleiche Funktion im Kanzleramt bei Willy Brandt (1972-74), schließlich Bundesbauminister unter Kanzler Helmut Schmidt (1974-78).

1976 war die Niedersachsen-SPD in Not und rief Karl Ravens. Ministerpräsident Al­fred Kubel war als Chef einer SPD/FDP-Regierung mit Ein-Stimmen-Mehrheit planmäßig zurückgetreten und der als Nachfolger vorgesehene Finanzminister Helmut Kasimier war in zwei Wahlgängen gegen einen CDU-Kandidaten namens Ernst Albrecht an Abweichlern gescheitert – gewissermaßen Frühausgaben des nachmaligen Heidemörders von Kiel (die wie ihr Nachfahre unbekannt geblieben sind).

Ravens zog für die SPD in den dritten Wahlgang – und unterlag dem neuen Regierungschef. Das war der Grundstein der bis 1990 währenden Ära Albrecht. 1978 gab Ravens auf Drängen der Partei das Bonner Ministeramt auf. Er zog als Spitzenkandidat in die Landtagswahl, unterlag – und fand sich als Oppositionsführer in einem Zwei-Parteien-Landtag wieder.

In den Folgejahren gelang Ravens der Zusammenschluss der vier Parteibezirke zum SPD-Landesverband Niedersachsen. Er übernahm dessen Vorsitz (1979-84) und musste als erstes 1981 eine schwere Niederlage der SPD bei der Kommunalwahl verantworten. 1982 folgte die nächste eigene, wiederum als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl, als die SPD (36,5 Prozent) von der CDU (50,7) quasi zerbröselt wurde.

Eine Chance zur Revanche gab ihm die Partei nicht mehr. Das (im Oldenburger Hauptbahnhof geschlossene) Bündnis des Ostfriesen Johann Bruns mit dem Hannoveraner Gerhard Schröder beendete 1984 de facto die politische Karriere des Karl Ravens, die im Amt des Landtagsvizepräsidenten (1986-90) ausklang.