HANNOVER - Die „Liebeszellen“ in niedersächsischen Gefängnissen sind nach Einschätzung des Justizministeriums sicher. Nach der Tötung einer Besucherin im nordrhein-westfälischen Remscheid macht man sich aber auch im Haus von Justizminister Bernd Busemann (CDU) Gedanken über die so genannten Langzeitbesuchsräume.

In Remscheid hatte ein verurteilter Mörder am Sonntag seine Freundin stranguliert und auf sie eingestochen. In Niedersachsen gibt es laut Ministerium elf „Liebeszellen“ in neun Gefängnissen, auch in Oldenburg und im Frauenknast von Vechta. Das Männergefängnis in Vechta hat keine.

Die Räume dienten „sozialen Kontakten“, sagte Ministeriumssprecher Georg Weßling dieser Zeitung. Zwischen drei und fünfeinhalb Stunden dürfen sich Häftling und Besucher dort aufhalten, werden nicht überwacht. Laut Weßling gibt es allerdings Alarmknöpfe und strenge Auflagen.

Vor jedem Besuch in der „Liebeszelle“ wird eine Checkliste abgearbeitet. Gefängnisleitung, Sozialer Dienst und Psychologischer Dienst müssten ihre Zustimmung geben. „Nur dann wird der Antrag auf einen Langzeitbesuch genehmigt“, sagte Weßling. Zudem würden Gefangene und Besucher durchsucht. In Niedersachsen sei in den vergangenen 15 Jahren nichts passiert, betonte der Ministeriumssprecher. Nach dem Niedersächsischen Justizvollzugsgesetz steht jedem Gefangenen mindestens eine Stunde Besuch im Monat zu.

In Expertenkreisen wird vermutet, dass die Kontrollen in Remscheid möglicherweise zu lasch waren. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt.