HANNOVER - Ein inzwischen pensionierter Grundschullehrer ist wegen sexueller Handlungen an Kindern und Nötigung in 144 Fällen von der Staatsanwaltschaft Hannover angeklagt worden und muss sich ab dem 4. Oktober vor dem Amtsgericht verantworten. Er soll vor 20 Jahren zwei sieben- und achtjährige Mädchen während des Unterrichts regelmäßig auf seinem Schoß festgehalten und unter der Kleidung mit eindeutig sexueller Motivation gestreichelt und gekniffen haben.

Nach Medienberichten unterrichtete der 57-Jährige noch bis zu den Sommerferien dieses Jahres und wurde dann aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt.

Die Linksfraktion und die Grünen im Landtag verlangten am Montag Aufklärung von Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) darüber, warum der Lehrer nach der Strafanzeige der ehemaligen Schülerinnen wohl noch mehr als ein Jahr lang Grundschulkinder unterrichten durfte. Er hätte bei dem Verdacht sofort suspendiert werden sollen, meinte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Christa Reichwaldt.

Die Niedersächsische Landesschulbehörde setzte sich gegen die Vorwürfe zur Wehr. Alleine die Verdachtsmomente aus dem September des vergangenen Jahres hätten nicht genügt, sagte eine Sprecherin. Zum damaligen Zeitpunkt habe es keine belastbaren Hinweise seitens der Polizei, sondern nur mündliche Vorwürfe gegen den Mann gegeben. Im Juli dieses Jahres sei dann ein Disziplinarverfahren gegen den Pädagogen eingeleitet worden.

Die angezeigten Taten standen kurz vor der Verjährung. Es komme häufiger vor, dass Opfer zunächst versuchten, solche Taten mit sich selber auszumachen, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker am Montag. Die Taten sollen von 1990 bis 1992 geschehen sein – die mutmaßlichen Opfer sind heute 27 und 28 Jahre alt. Grünen-Schulexpertin Ina Korter forderte erneut, eine Ombudsstelle einzurichten, an die sich Schülerinnen und Schüler wenden können.