HANNOVER/GOLMBACH - Umweltminister Sander lobt den Einsatz vieler Bürger. Zahlreiche heimische Vögel sind trotzdem vom Aussterben bedroht.

Von Marco Seng,

Redaktion Hannover

HANNOVER/GOLMBACH - Die Mauersegler sind wie in jedem Jahr pünktlich am 2. Mai aus ihren Winterquartieren in Niedersachsen eingeschwebt. Auch andere heimische Vögel können in diesem Frühling noch etwas fröhlicher zwitschern als sonst. Denn der Bestand von 111 Vogelarten hat sich deutlich erhöht.

Das geht aus der „Weißen Liste“ der Brut- und Gastvögel in Niedersachsen hervor. Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) präsentierte die nach seinen Angaben bundesweit einmalige Liste am Donnerstag in Golmbach (Kreis Holzminden). Sie dokumentiere die Erfolge im Artenschutz in den vergangenen 30 Jahren, sagte Sander.

Der Minister nannte als Beispiele Kraniche, Schwarzstörche und Seeadler. Von den über 100 Jahre lang aus Niedersachsen verschwundenen Greifvögeln gebe es inzwischen wieder 20 Paare. Der Kranichbestand sei innerhalb von 30 Jahren von elf auf 400 Paare angewachsen. Auch die Schwarzstörche hätten sich vermehrt und wieder ihre alten Brutplätze in Solling und Weserbergland besiedelt. Sander lobte das Engagement vieler Bürger. Der Verzicht auf den Einsatz von Insektiziden in Gärten und das Aufhängen von Nistkästen in Städten hätten eine Menge bewirkt.

Doch es gibt auch Problemfälle in der Vogelwelt. Immerhin 77 Arten stehen auf der „Roten Liste“, weil sie vom Aussterben bedroht oder im Bestand gefährdet sind. Zudem seien nicht alle Vogelarten bei allen beliebt, betonte Bernd Hoffmann, Referatsleiter Artenschutz im Ministerium. Ärger verursachten vor allem Graureiher und Rabenkrähe. Sander forderte die EU auf, ihre Vogelschutzrichtlinie von 1979 zu überarbeiten. Sie sei nicht mehr zeitgemäß, so der Minister.