HANNOVER/GOSLAR - In der hannoverschen Marktkirche fand eine Dank-Andacht statt. Auch der Flüchtlingsrat zeigte sich erleichtert.

Von Stefan Idel

und unseren agenturen

HANNOVER/GOSLAR - Die Erleichterung war allenthalben deutlich zu spüren. „Als ich Zahra Kameli im Krankenhaus informiert habe, war sogar das Personal begeistert“, erzählt Pastor Hans-Jürgen Kutzner. Der Seelsorger steht der 24-jährigen Iranerin seit Beginn des wochenlangen Tauziehens um ihr Aufenthaltsrecht zur Seite. Der Niedersächsische Landtag hatte sich gestern dem einstimmigen Votum des Petitionsausschusses angeschlossen und entschieden, im Fall Kameli die Härtefallregelung nach dem neuen Zuwanderungsgesetz anzuwenden. Zum Dank bat Kutzner am frühen Abend zur Andacht in die hannoversche Marktkirche.

Monatelang hatten Bundesregierung, Land und Gerichte darüber gestritten, ob die 24-jährige Iranerin aus Goslar in Deutschland bleiben darf. Am 10. Februar war ihre Abschiebung gescheitert. Nach einem Nervenzusammenbruch der Frau verweigerte ein Lufthansa-Pilot den Mitflug nach Teheran. Die Wende im Fall Kameli dürfte zu einem großen Teil der öffentlichen Reaktion auf das ungewöhnliche Schicksal der jungen Frau zu verdanken sein. Menschenrechtsgruppen hatten immer wieder vor einer im Iran drohenden Steinigung gewarnt, weil Kameli ihren muslimischen Mann verlassen hatte und zum Christentum konvertiert war.

Der Landtag habe eine „menschliche Entscheidung“ getroffen, sagte CDU-Fraktionschef David McAllister – und sprach damit aus, was die meisten dachten. Auch der Flüchtlingsrat äußerte sich erleichtert.

Kameli soll zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung von drei Monaten erhalten. Anschließend werde diese in ein dauerhaftes Bleiberecht gewandelt, erläuterte die SPD-Abgeordnete Heidi Merk. Nun geht es für Zahra Kameli um alltägliche Probleme: Lebenshaltungskosten, Krankenversicherung, berufliche Perspektiven. Auch hier wurden Lösungen gefunden. Mehrere Wohltäter hätten sich bereit erklärt, den Unterhalt der jungen Frau so lange zu bestreiten, bis sie genesen und allein in der Lage sei, sich zu versorgen, erläuterte Seelsorger Kutzner.