HANNOVER - Der FDP-Politiker steht wegen seiner Baumfällaktion in der Kritik. Ein blamables Vorgehen, sagen die Grünen.

Von Marco Seng,

Redaktion Hannover

HANNOVER - Kein anderes Regierungsmitglied sorgt im Landtag für soviel Streit wie Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Egal, ob er mit Kettensägen Bäumen zu Leibe rückt, die Atomkraft über den grünen Klee lobt oder Naturschutzverbänden die Mittel streicht – der 62-Jährige eckt immer wieder an. Die SPD hatte am Freitag die Nase endgültig voll und forderte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) auf, Sander aus dem Kabinett zu werfen. Die schwarz-gelbe Koalition schmetterte den Antrag mit ihrer Mehrheit ab. Die aufgewühlten Abgeordneten konnten sich selbst nach dem Ende der hitzigen Debatte kaum beruhigen.

Sander sei ein Gesinnungstäter und eine Katastrophe für die Umwelt, sagte SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner in der hitzigen, von zahlreichen Zwischenrufen geprägten Auseinandersetzung. „Wulff hat nichts unternommen, um ihn zu stoppen.“ Niedersachsen könne keinen Minister tolerieren, der das Umweltrecht mit Füßen trete und Deutschland im Jahr der EU-Ratspräsidentschaft international blamiere, empörte sich die Grünen-Abgeordnete Dorothea Steiner. Die Opposition warf dem Minister vor, immer wieder bewusst Streit mit der EU vom Zaun zu brechen. Die EU-Kommission hat wegen Sanders Abholzungsaktion in einem Naturschutzgebiet an der Elbe ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet.

Die Koalition wies die Vorwürfe zurück. Am Ende sprang der Ministerpräsident für Sander in die Bresche. Die SPD-Angriffe seien „vollkommen überzogen und maßlos“. Sander bleibe Minister. Doch in der CDU-Fraktion regt sich Unmut. Nicht alle klatschten für Sander. „Den möchte ich nicht in meinem Wahlkreis sehen“, raunte ein Abgeordneter.