HANNOVER - Schrecken Studiengebühren junge Leute vom Studium ab? Halten sie Arbeiterkinder von den Hochschulen fern? Durch die Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Baden-Württemberg ist auch in der niedersächsischen Landespolitik eine neue Debatte entbrannt. Zusammen mit Bayern ist Niedersachsen das einzige Bundesland, das noch Studiengebühren erhebt. 500 Euro müssen Studenten pro Semester zahlen. In allen Bundesländern kassieren die Hochschulen – unabhängig davon, ob Studiengebühren erhoben werden – einen Verwaltungsbeitrag.
Die Landtags-Opposition hält das System für sozial ungerecht und ökonomisch unsinnig. „Für uns ist das ein klarer Wettbewerbsnachteil“, sagte SPD-Fraktionsvize Gabriele Andretta. Nach ihren Angaben klafft die Lücke zwischen Hochschulreife und Studienabschluss immer weiter auseinander. „Jeder zweiter Abiturient verlässt Niedersachsen für ein Studium“, erklärte Andretta. „Viele kommen nicht wieder.“
Vor einer „Wettbewerbsfalle“ für Niedersachsen, warnte auch Grünen-Fraktionsvize Gabriele Heinen-Kljajic. „Nachdem außer Bayern alle ehemals schwarz-gelb regierten Bundesländer aus dem Bezahlstudium ausgestiegen sind, verliert unser Bundesland bei Studierenden deutlich an Attraktivität.“ Heinen-Kljajic forderte Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) auf, den „bildungspolitischen Irrweg“ möglichst schnell zu korrigieren. Die Opposition kritisierte auch, dass die Studiengebühren von Hochschulen teilweise für Rücklagen und Verwaltungsaufgaben genutzt werden und nicht den Studenten zugute kommen.
Ministerin Wanka will trotz aller Kritik an den Studiengebühren festhalten. „Studienbeiträge sichern ein höheres Qualitätsniveau beim Studium und sind ein deutlicher Wettbewerbsvorteil für die niedersächsischen Hochschulen“, sagte Ministeriumssprecher Rüdiger Fischer. Er betonte, dass fast 80 Prozent der Studenten in Niedersachsen ihr Studium mit Erfolg abschlössen. Fischer verwies darauf, dass der Stifterverband der deutschen Wissenschaft Studiengebühren nicht für abschreckend hält.
Die FDP-Hochschulexpertin Almuth von Below-Neufeldt sagte: „Die Hochschulen investieren immer mehr Beiträge in Personal und in eine bessere Ausstattung – das Geld fließt also direkt in die Qualität der Lehre.“
