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Erhöhte Nachfrage Grippe-Impfstoff wird auch im Nordwesten knapp

Christian Ahlers Christina Sticht

Hannover/Im Nordwesten - Nach der heftigen Influenza-Welle mit fast 2000 Toten im vergangenen Winter gibt es nach Angaben des Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit Sitz in Langen in diesem Jahr eine hohe Bereitschaft in der Bevölkerung, sich früh impfen zu lassen. Die Folge: Grippe-Impfstoffe werden in vielen Teilen Deutschlands knapp, auch aus Niedersachsen werden Engpässe gemeldet. „Es gibt in der Region sicherlich noch Praxen, die etwas vorrätig haben – aber in den Oldenburger Apotheken wird es schwierig, noch etwas zu bekommen“, bestätigt Birte Neumann von der hiesigen Uhlen-Apotheke.

Insgesamt gebe es zwar genug Grippe-Impfstoff, die Impfdosen seien nur teilweise falsch verteilt, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Detlef Haffke. Hintergrund ist Haffke zufolge, dass einige Arztpraxen sehr viel bestellt haben und sich bei anderen nun die Lieferungen verzögern. Zudem könne einer der drei großen Hersteller am Markt in Niedersachsen überhaupt keinen Grippe-Impfstoff in dieser Saison mehr liefern.

„Wir bestellen erfahrungsgemäß dass vor, was im letzten Jahr an Impfstoff benötigt wurde“, erläutert Birte Neumann. Was übrig bleibt, müsse nach Angaben der 37-jährigen Oldenburgerin entsorgt werden – Kosten, auf denen die Apotheker und Praxen sonst sitzen bleiben. An den Vorbestellungen richtet sich dann auch die Produktion der Hersteller. Im kommenden Jahr will die Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) die Bestellung der Impfstoffe im Land anders regeln. „Wir denken an eine zentrale Bestellung für alle Ärzte in Niedersachsen“, sagte ein Sprecher. Bis Anfang November hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 15,7 Millionen Grippeimpfdosen für ganz Deutschland freigegeben, rund eine Million mehr als ein Jahr zuvor.

Angesichts der regionalen Engpässe lockerte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Vorschriften für die Beschaffung – so können sich Praxen oder Apotheken auch untereinander aushelfen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangeren, Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen, medizinischem Personal und Pflegenden sowie Beschäftigten in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr.

Interview: Wer sich wann am besten impfen lassen sollte

Apothekerin Birte Neumann (Bild: Julia Heisler)

Apothekerin Birte Neumann (Bild: Julia Heisler)

Seit April 2017 ist Birte Neumann Inhaberin der Uhlen-Apotheke in Oldenburg. Hier beantwortet die 37-jährige Apothekerin die wichtigsten Fragen zum Thema Grippe-Impfungen.

Frage: Angesichts der regionalen Engpässe lockerte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Vorschriften für die Beschaffung – so können sich Praxen oder Apotheken auch untereinander aushelfen. Wird das in der Region gemacht?

Birte Neumann: „Die Solidarität unter den Apotheken in Oldenburg ist sehr gut, wir sind gut untereinander vernetzt und helfen uns aus, wenn immer es geht. Bei uns war es jetzt so, dass wir soweit hingekommen sind mit unserem Impfstoff. Wir haben keine Anfragen mehr gehabt, bei denen wir nicht hätten liefern können. Wäre das jedoch doch der Fall gewesen, weiß ich, dass andere Apotheken uns hätten helfen können bzw. wir hätten die Patienten dann weiterleiten können. Das funktioniert hier ziemlich prima. Mein Stand ist allerdings, dass die meisten Kollegen keinen Impfstoff mehr haben – für alle kann ich das aber natürlich nicht exakt sagen. Mein Eindruck ist, dass es jetzt auch in Oldenburg schwierig ist, etwas zu bekommen.“

Frage: Letztes Jahr gab es einen Dreifach-Impfstoff und einen Vierfach-Impfstoff. Letzterer deckt einen Virenstamm mehr ab - ausgerechnet den, der in der Region grassierte. Den bezahlte die Krankenkasse jedoch nicht. Wie ist das in diesem Jahr geregelt?

Birte Neumann: „Letztes Jahr haben die gesetzlichen Krankenkassen nur den Dreifach-Impfstoff übernommen, weil dieser von der Ständigen Impfkommission empfohlen wurde. Dieses Jahr wurde der Vierfach-Impfstoff empfohlen. Allerdings war lange nicht klar, ob die gesetzlichen Krankenkassen den übernehmen. Das führte dann wieder zu Verzögerungen bei den Vorbestellungen – weil eben auch die Praxen nicht wussten, welchen Impfstoff sie verwenden dürfen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen. Daher mussten sie mit den Vorbestellungen warten.“

Frage: Wann sollte man sich am besten impfen lassen?

Birte Neumann: „Wichtig ist, dass man sich nicht zu früh impfen lässt. Viele möchten das gerne schon im September. Die Erfahrung ist jedoch, dass die Hochzeit der Grippewelle erste Ende Januar richtig los geht, und dann im Februar und März besonders heftig ist. Deswegen finde ich Ende Oktober, Anfang November einen guten Zeitpunkt, weil man so dann den vollen Schutz hat. Die richtige Grippewelle kommt in der Regel nicht vor Dezember. Der Schutz wirkt nicht unbedingt sechs oder neun Monate, dass baut sich mit der Zeit schon ein bisschen ab. Das machen die meisten aber auch so.“

Frage: Wer sollte sich impfen lassen?

Birte Neumann: „Ältere Patienten ab ungefähr 60 Jahren sollten sich generell impfen lassen, chronisch Kranke ebenfalls. Eben auch, weil sie weniger zuzusetzen haben, wenn sie sich eine Infektion einfangen. Schwangere sollten sich ab dem vierten Monat impfen lassen, und bei Kindern sollte im Einzelfall entschieden werden, zum Beispiel, ob sie besonders anfällig für Infekte sind oder andere Risikofaktoren hinzukommen. Für Kinder, die Angst vor Spritzen haben, gibt es Nasenspray zur Grippeimpfung. Die meisten Impfstoffe sind schon für Kinder ab sechs Monaten zugelassen. Pauschal alle Kinder sind aber nicht in der Impfempfehlung aufgeführt.

Es ist sinnvoll, sich jedes Jahr gegen die Grippe impfen zu lassen, weil der Schutz besser wird, je häufiger man sich impfen lässt. Die Grippe-Impfung bietet ja keinen 100 prozentigen Schutz, aber die Quote wird mit jeder jährlichen Impfung besser. Deswegen empfehlen wir, sich jedes Jahr impfen zu lassen, um sich einen besseren Schutz aufzubauen.“

Grafik: Was Sie über die Grippe wissen sollten

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