HANNOVER - Vor 25 Jahren reagierte die Politik ähnlich schnell auf eine Atomkatastrophe wie jetzt nach Fukushima. Kaum drei Monate nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl wurde in Niedersachsen ein Umweltministerium eingerichtet. Der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) sah die Zeit für eine aktive Umweltpolitik gekommen.
Ministerpräsident David McAllister (CDU) zitierte beim Festakt zum 25-jährigen Jubiläum am Donnerstag im Landtags-Forum in Hannover aus der damaligen Regierungserklärung von Albrecht. „Die Entscheidung war richtig und notwendig“, sagte McAllister vor rund 450 Gästen. „Sie war damals für die Landespolitik ein besonderer Schritt.“
Der erste niedersächsische Umweltminister war der jüngst verstorbene Werner Remmers (CDU), es folgten Monika Griefahn, Wolfgang Jüttner (beide SPD) und Amtsinhaber Hans-Heinrich Sander (FDP), die alle drei am Donnerstag dabei waren. Niedersachsen hatte bisher keinen Grünen-Umweltminister.
Sander ist mit achteinhalb Jahren Amtszeit inzwischen der dienstälteste Umweltminister. Umweltpolitik sei so wichtig, dass sie ein „eigenständiger Bereich“ bleiben müsse, sagte der Minister. Sander sprach sich für einen gemeinsamen Nationalpark Wattenmeer mit Schleswig-Holstein aus.
Jüttner sagte, dass nirgendwo in Deutschland der „parlamentarische Sachverstand“ bei der Atompolitik so groß sei wie in Niedersachsen – in Anspielung auf die Atommülllager Gorleben, Asse und Schacht Konrad. Der SPD-Politiker räumte allerdings schmunzelnd ein, dass niedersächsische Umweltminister sich den Weisungen des Bundes häufig hätten fügen müssen: „Ober sticht Unter“. Da habe es keinen Unterschied gemacht, ob der Bundesumweltminister Merkel oder Trittin hieß.
Griefahn erklärte, Niedersachsen habe beim Atomausstieg eine lange Vorarbeit geleistet. Auch bei der Windkraft sei Niedersachsen Vorreiter. McAllister hält die Energiewende für die „größte gesellschaftliche Herausforderung seit der Wiedervereinigung“. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sei nichts mehr so wie vorher.
