HANNOVER - Die Spannung vor der ersten Zeugenvernehmung im Asse-Untersuchungsausschuss des Landtags war groß. Ein ehemaliger Bergamts-Mitarbeiter und ein früherer Strahlenschutz-Mediziner mussten vor dem Gremium aussagen. Als nach rund fünf Stunden die letzte Frage gestellt war, stritten Koalition und Opposition über die Bewertung. „Die heute angehörten Zeitzeugen haben deutlich gemacht, dass die chronologische Herangehensweise richtig ist“, erklärten die Obmänner von CDU und FDP, Karl-Heinrich Langspecht und Christian Dürr (Ganderkesee). Die Opposition sprach dagegen von Zeitverschwendung. „Die beiden Zeugen brachten keinen Erkenntnisgewinn“, sagte SPD-Obmann Detlef Tanke.

Bei den Befragungen gab es keine Anzeichen, dass in dem maroden Atommüllager auch hoch radioaktive Stoffe lagern. Das Bundesamt für Strahlenschutz als Betreiber des Lagers untersucht entsprechende Hinweisen. Nach den bisherigen Erkenntnissen kamen von 1967 bis 1978 rund 126 000 Fässer ausschließlich mit schwach und mittel radioaktivem Abfall in die Schachtanlage. Immer wieder waren in der Vergangenheit Ungereimtheiten über die Angaben der dort gelagerten Stoffe aufgetaucht.

Der in den 70er Jahren für die Asse zuständige Bergamts-Mitarbeiter Jürgen Schubert sagte, er gehe davon aus, dass kein hoch radioaktives und extrem heißes Material in die Asse gebracht wurde. „Das würde ich ausschließen.“ Der 82-jährige Karl Niklas, früher leitender Mitarbeiter der ehemaligen Gesellschaft für Strahlenforschung, erklärte, er habe keine Kenntnisse über Unfälle mit radioaktiven Stoffen gehabt. Unklar blieb bei der Vernehmung, wie viel Plutonium in der Asse liegt. Schubert berichtete von bis zu 25 Kilo.

Im nicht öffentlichen Teil der Sitzung lehnte die Koalition anschließend die Zeugenwünsche der Opposition ab. Bund- oder Landesminister können demnach frühestens im Herbst befragt werden. Grünen-Obmann Stefan Wenzel nannte das Vorgehen „empörend“ und kündigte eine rechtliche Prüfung an.

Unterdessen teilte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Schreiben an den Landtag mit, dass der Bund dem Ausschuss alle Asse-Akten zur Verfügung stellen wird. Gabriel forderte das Gremium aber auf, die gewünschten Unterlagen genauer zu benennen.