HANNOVER - Die Grünen wollen nach der Atomkatastrophe von Japan eine radikale Energiewende. Bis 2017 sollen nach den Vorstellungen der Grünen-Landtagsfraktion alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Bis 2030 soll der Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Biomasse kommen. Bis zum Jahr 2040 soll der Verkehr auf Elektroautos umgestellt sein. Die Öko-Partei verlangte ein Umdenken bei den Bürgern hin zu mehr Umweltschutz.
„Wir brauchen den schnellstmöglichen Ausstieg und die radikale Beschleunigung der Entwicklung und Förderung der erneuerbaren Energien“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Er stellte am Donnerstag in Hannover ein 60-seitiges Energiekonzept vor. Wenzel forderte die CDU/FDP-Landesregierung auf, ein niedersächsisches Energiespargesetz zu erlassen, die Windkraft auszubauen und ein Kataster für Solarflächen einzurichten. Außerdem sollten Pilotprojekte für Elektromobile gestartet und der Leitungsausbau nach Norwegen beschleunigt werden. Nach dem Energieszenario der Grünen sinkt der Energieverbrauch insgesamt um die Hälfte. Wenzel forderte die Bürger zu einem anderen Lebensstil auf: Sie sollten etwa auf den Bus oder Carsharing umsteigen und sparsame Elektrogeräte kaufen.
Der Grünen-Politiker attackierte die FDP, die an diesem Freitag ihr Energiekonzept vorstellen will. Die FDP versuche sich den Anstrich einer Anti-Atom-Partei zu geben. Dies sei aber unglaubwürdig, wenn neuere Atomkraftwerke bis 2036 weiterlaufen sollten.
Die Stadt Göttingen teilte am Donnerstag mit, dass sie zur Versorgung ihrer Gebäude und anderer Einrichtungen fast ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien bezieht. „Andere reden von der Energiewende, wir haben sie längst vollzogen“, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD).
