HANNOVER - Gegen den Beamten wurde bereits vor drei Jahren Strafanzeige erstattet. Doch erst seit Monaten wird ermittelt.

Von Olaf Reichert

HANNOVER - Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA) haben am Freitag in Hannover einen 53-jährigen Polizisten wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, Urkundenfälschung, Untreue und des Betruges verhaftet. Damit findet eine Kriminalgeschichte ihren vorläufigen Höhepunkt, die vor drei Jahren als interne Streitigkeit beim Niedersächsischen Judoverband (NJV) begann.

Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen Mitarbeiter des niedersächsischen Polizeiamts für Technik und Beschaffung in Hannover, gegen den seit Monaten ermittelt wird (diese Zeitung berichtete). Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Henning Meier (Hannover) bestand akute Fluchtgefahr. Es hätten sich Anhaltspunkte verdichtet, dass sich der Beamte, der gleichzeitig als NJV-Landestrainer und Übungsleiter im Olympiastützpunkt Hannover tätig ist, nach Japan absetzen wollte.

„Fast 200 Straftaten“ werden dem 53-Jährigen vorgeworfen, teilte Meier mit. Darunter fallen die Annahme von Bestechungsgeldern im Zusammenhang mit der Beschaffung von Fitnessgeräten für die Bereitschaftspolizei sowie die Vorlage gefälschter Abrechnungen. Insgesamt beläuft sich der Schaden „auf mehrere hunderttausend Euro“, wie aus Justizkreisen zu erfahren war. Im Fall einer Verurteilung muss der Polizist mit mindestens einem Jahr Gefängnis rechnen.

Laut Staatsanwaltschaft kamen die Ermittlungen durch eine anonyme Anzeige beim LKA ins Rollen. Nach Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, wurde der nun inhaftierte Polizist aber bereits am 16. August 2002 vom damaligen Führungsduo des Judoverbandes, Norbert Schulz und Gerhard Müller, wegen Betruges angezeigt. Auch der Landessportbund (LSB), bei dem der zu 50 Prozent freigestellte Beamte unter Vertrag stand, leitete ein Revisionsverfahren ein, das den Judotrainer nicht entlastet haben soll.

Dennoch blieb dieser unbehelligt und setzte sogar die Abwahl der kritischen Verbandsführung durch. Bemühungen des NJV, LSB und Innenministerium auf das Fehlverhalten des Trainers hinzuweisen, „wurden systematisch und erkennbar einvernehmlich abgeblockt“, heißt es in einem internen NJV-Papier, das von den damaligen Revisoren, einem pensionierten Oberstaatsanwalt und einem Polizeibeamten, verfasst worden war. Es besteht die Vermutung, dass der nun verhaftete Trainer hochrangige Gönner hatte.