HANNOVER - Als ausgebildeter Tanzlehrer könnte Jörg Bode sicher neuen Schwung in die niedersächsische FDP bringen. Der Wirtschaftsminister gilt als Favorit für eine mögliche Nachfolge von Landeschef Philipp Rösler. Der 40-jährige Bode ist Vize-Ministerpräsident, Vize-Landesvorsitzender und hat gute Aussichten, als FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen 2013 nominiert zu werden.
„Erst wenn sich das in Berlin entschieden hat, werden wir über Niedersachsen reden“, sagt Bode selbst. Doch was noch für den gelernten Bankkaufmann spricht: Er ist immer Rösler nachgefolgt, als Fraktionschef, als Wirtschaftsminister. Das einzige Problem: In der Niedersachsen-FDP gibt es keinen Plan B. Über die Nachfolge von Rösler sei nie ernsthaft gesprochen worden, so heißt es zumindest an diesem ereignisreichen Montag aus der Parteispitze.
Und so sagen einige Liberale auch, dass es keinen Automatismus geben dürfe. „Jörg Bode kommt in Frage, aber auch Christian Dürr“, meint etwa Umweltminister Hans-Heinrich Sander. „Die beiden werden das unter sich ausmachen“, ist sich der Landesvize sicher. Dürr, FDP-Fraktionschef im Landtag, will sich nicht an den Spekulationen beteiligen. „Wir müssen sehen, wie es in Berlin ausgeht“, sagt der 33-Jährige aus Ganderkesee.
Viele in der Partei trauen Dürr den Job als Landeschef zu, die meisten erwarten aber keine Kampfkandidatur. „Dürr wird seinen Hut nicht in den Ring werfen“, erklärt ein FDP-Politiker. Der Landtagsabgeordnete Björn Försterling sieht die Diskussion gelassen. „Wir haben immer eine Lösung gefunden und wir werden auch diesmal eine einvernehmliche Lösung finden“, sagt Försterling.
Neben Bode und Dürr werden in der Landes-FDP noch zwei Jungpolitiker genannt, die von ihren Fähigkeiten her in Frage kämen. Stefan Birkner könnte allerdings nicht kandidieren, weil er zurzeit Staatssekretär im Umweltministerium ist. Er bereitet sich vermutlich eher auf die Nachfolge von Sander vor. Auch der Bundestagsabgeordnete Patrick Döring ist im Gespräch. Doch der habe als Fraktionsvize im Bundestag und künftiger Bundesschatzmeister genug zu tun, heißt es.
Womit man wieder bei Bode wäre. Der Wirtschaftsminister gilt als bienenfleißig, als „Arbeitstier“ und „Aktenfresser“, wie einige sagen. Bode fehlt allerdings indes die Ausstrahlung eines Philipp Rösler. „Er ist kein Ritter der Herzen“, beschreibt ein FDP-Mann den Minister blumig.
Zunächst müssten sich die Liberalen auf einen Fahrplan verständigen. Würde Rösler im Mai zum Bundeschef gewählt, wäre wohl ein Sonderparteitag der Landes-FDP spätestens im Sommer notwendig, um den Nachfolger zu küren. Einige wollen am liebsten auch gleich die Frage des Spitzenkandidaten klären.
