HANNOVER - Gert Lindemann bleibt noch etwas Zeit, um sich auf sein künftiges Amt vorzubereiten. Am 19. Januar soll der CDU-Politiker als neuer Agrarminister im Landtag vereidigt werden. Ich habe noch ein paar Wochen, um mich in die Details einzuarbeiten, sagte Lindemann bei seiner Vorstellung in der vergangenen Woche.
Für den Grotelüschen-Nachfolger dürfte das allerdings kein großes Problem sein. Lindemann gilt als einer der Agrarexperten in Deutschland. Seit 1983 arbeitet der Jurist im Bereich Landwirtschaft. Zunächst als Referats- und Abteilungsleiter sowie als Staatssekretär im Landesagrarministerium. Vor fünf Jahren holte ihn der damalige Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) als Staatssekretär nach Berlin.
Im Januar dieses Jahres schien Lindemanns Karriere überraschend beendet. Seehofers Nachfolgerin Ilse Aigner (CSU) feuerte den gebürtigen Wuppertaler. Er sei nicht im Streit gegangen, betonte Lindemann. Aigner soll ihn sogar jetzt bei Ministerpräsident David McAllister (CDU) empfohlen haben.
Doch was führte dann zum Zerwürfnis? Wie es aus Unions-Kreisen hieß, stimmte die Chemie zwischen der Ministerin und ihrem Staatssekretär von Anfang an nicht. Streit soll es unter anderem um die EU-Zuschüsse für Milchbauern gegeben haben. Knapp ein Jahr nach dem Aus in Berlin kann der 63-Jährige in Hannover wieder durchstarten. Ich freue mich auf die Herausforderung, betonte Lindemann. Zu seiner Lebensplanung habe der Ministerjob aber nicht mehr gehört.
McAllister hat den dreifachen Vater nicht nur wegen seiner Kompetenz im Agrarbereich geholt. Lindemann kennt die Bürokratie, braucht keine große Anlaufzeit, um ein Ministerium zu leiten. Er habe sieben Ministern gedient, erklärte Lindemann. Zudem kann ihn McAllister wegen seiner langjährigen Arbeit für den früheren Landwirtschaftsminister Gerhard Glup (CDU) als halben Oldenburger verkaufen. Das ist wichtig, weil Oldenburg nach dem Rücktritt von Astrid Grotelüschen nicht mehr im Kabinett vertreten ist. Er sei über Glup in die Agrarpolitik gekommen, sagte Lindemann. Aus Oldenburg gab es deswegen keinen großen Widerstand gegen seine Berufung.
Inhaltlich hält sich der künftige Minister noch bedeckt, deutet allenfalls an, wohin die Reise gehen soll. Für mehr Tierschutz in der Landwirtschaft will Lindemann sich einsetzen und für Verbraucherrechte. Unter Grotelüschen waren das nur Randthemen. Lindemann soll nach dem Ärger um Tierquälereien und Dumpinglöhnen in der Geflügelindustrie aber wohl vor allem die Lage beruhigen und die Branche aus den Schlagzeilen bringen. Die Agrarpolitik sei früher ein Selbstläufer gewesen, heißt es in der CDU. Jetzt ist sie zur Achillesferse geworden.
Lindemann hat den Vorteil, dass er in der Region Peine wohnt, in der Viehzucht keine große Rolle spielt. Die Opposition ist trotzdem skeptisch. Für sie ist der neue Minister wie Grotelüschen ein Lobbyist der Agrarindustrie.
