Hannover - Die Stimme kippt fast weg bei den letzten Sätzen. Hat Detlef Tanke (SPD) etwa Tränen in den Augen? Dieser durch zig Landtagsdebatten gestählte Haudegen – ein von CDU und FDP gefürchteter Zwischenrufer. Jetzt zeigt sich sein weicher Kern. „Wir alle hier im Landtag sind zutiefst Demokraten“, bezieht Tanke jeden Abgeordneten mit ein, auch die, mit denen sich der SPD-Generalsekretär in der Vergangenheit scharfe Wortgefechtegeliefert hat. Alle Fraktionen klatschen Beifall bei Tankes Abgang. Es war seine letzte Rede. Wie mehr als 30 andere Parlamentarier, wird Tanke (61) nicht mehr zurückkehren nach der Landtagswahl. Wehmut herrscht in diesen Minuten im Plenarsaal.

Beifall ebenfalls für Christian Dürr (Ganderkesee). Auch der FDP-Fraktionschef hat mit seinen Gefühlen zu kämpfen. Seit 2003 sitzt er im Landtag – und besitzt beste Aussichten, am kommenden Wochenende in den Bundestag gewählt zu werden. Eine freudige Zukunft. Doch der Abschied fällt schwer. Der eigentlich scharfzüngige Redner wählt ganz sanfte Töne: „Ich will mich bei allen bedanken, ausdrücklich auch bei SPD und Grünen. Wir haben auf unterschiedlichen Seiten gekämpft. Es hat der Demokratie gut getan und es war eine Ehre, dieser Fraktion zu dienen!“ Noch nie war der Beifall für Dürr im ganzen Saal so groß.

Gefühlige Stimmung. Selbst die Wahlkampf-Attacken auf den politischen Gegner wegen der anstehenden zwei Wahltage fallen an diesem Mittwoch weniger bissig aus. Natürlich attestiert CDU-Fraktionschef Björn Thümler pflichtschuldig der rot-grünen Koalition, „in die Opposition“ zu gehören. Und FDP-Chef Stefan Birkner vermisst – was er schon so oft hier im Landtag gesagt hat – „Gestaltungswillen bei der Landesregierung“. Ebenso weist Grünen-Fraktionschefin Anja Piel diese Kritik entschlossen zurück. Und Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wird noch hinterherschieben, dass unter Rot/Grün „Niedersachsen so stark wie nie zuvor“ sei. Vize-Ministerpräsident Stefan Wenzel (Grüne) nickt heftig.

Aber jeder im Plenarsaal kann Umfragen lesen. Das Ende naht nicht nur für die Abgeordneten, die freiwillig oder aus anderen Gründen gehen. Auch Rot/Grün scheint bald Geschichte. Dass SPD und Grüne am Abend sich noch einmal zum gemeinsamen Essen treffen, besitzt fast schon Züge von Nostalgie. Kaum ein SPD- oder Grünen-Politiker beschwört noch eine gemeinsame Zukunft nach der Landtagswahl. Man tauscht nur Erinnerungen aus.