HANNOVER - Das Ringen um den Neubau des Landtags geht weiter. Eine Woche vor der Abstimmung streiten die Fraktionen erneut über die beste Lösung. „Der Machtkampf ist voll entbrannt und wird auf allen Ebenen ausgetragen“, beschrieb ein Abgeordneter die Situation.

Die CDU betonte am Dienstag, dass die Abstimmung für die CDU-Fraktionsmitglieder freigegeben wird. In der Diskussion habe sich kein einheitliches Bild abgezeichnet, erklärte CDU-Parlamentsgeschäftsführer Björn Thümler (Berne). „Einige Fraktionsmitglieder haben sich für einen Neubau, andere für eine Sanierung im Bestand stark gemacht.“

Es gilt aber als wahrscheinlich, dass sich eine Mehrheit der CDU-Abgeordneten für den Siegerentwurf im Architektenwettbewerb aussprechen wird. Dieser sieht einen Abriss des maroden Plenarsaals und den Bau eines Glastempels für 45 Millionen Euro vor. Der Kölner Architekt Eun Young Yi zeigte sich bei einer erneuten Vorstellung der Siegerentwürfe im Landtag sicher, dass sein Konzept „eins zu eins umgesetzt werden kann“. Der Kölner Architekt kann wohl auch mit den Stimmen der FDP rechnen.

In der SPD zeichnet sich nach einer Probeabstimmung in der vergangenen Woche dagegen eine knappe Mehrheit für den zweitplatzierten Entwurf des Hamburger Architekten Walter Gebhardt ab. Seine Pläne sehen einen Umbau des Landtags vor, bei dem ein wesentlicher Teil des Oesterlen-Baus stehen bleiben soll. „Die Aufgabe des Architekten ist es, bei denkmalgeschützten Gebäuden möglichst sensibel mit dem Bestand umzugehen“, sagte Gebhardt. Er will bis zu 30 Prozent unter dem Budget von 45 Millionen Euro bleiben.

Die Grünen sind gegen einen Neubau und sehen sich durch das Landesamt für Denkmalpflege bestätigt, das Gebhardts Konzept unterstützt. „Ein Totalabriss ist durch nichts gerechtfertigt“, sagte Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Ursula Helmhold dieser Zeitung.

Für zusätzliche Verwirrung sorgte ein angeblicher Vermerk des Finanzministeriums, nachdem das Votum des Parlaments für das Vergabeverfahren nicht unbedingt entscheidend ist. Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) will alle juristischen Fragen vor der freigegebenen Abstimmung klären lassen.