HANNOVER - Wie gefährlich ist es, in der Nähe eines Atomkraftwerks zu leben? Die jüngste Studie über eine Zunahme von Krebsfällen bei Kindern sorgt auch im Landtag für Aufregung. Die Opposition fordert, die Kernkraftwerke in Niedersachsen sofort abzuschalten. Die Landesregierung warnte dagegen vor Panikmache.

„Im Zweifel muss die Sicherheit der Bevölkerung vor den wirtschaftlichen Interessen der Betreiber rangieren“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Der Betrieb von Atomkraftwerken sei nicht länger zulässig. SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner stellte den Atomkonsens in Frage. Wenn Kernkraftwerke schon im Normalbetrieb gefährlich seien, müssten sie abgeschaltet werden.

Nach Ansicht von Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) lässt sich aus der Studie kein Zusammenhang zwischen radioaktiver Strahlung und gehäuften Leukämie-Erkrankungen herstellen. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) betonte, dass die Landesregierung sich mit der „ernst zu nehmenden Studie“ auseinandersetzen werden. „Wir brauchen jetzt keine Hysterie“, sagte die FDP-Abgeordnete Gesine Meißner.

Die Landesregierung sieht indes keine Notwendigkeit, etwas an der Überwachung der Radioaktivität im Umfeld von Atomkraftwerken zu ändern. Der Staatssekretär im Umweltministerium, Christian Eberl, sagte bei der Einweihung eines neuen Lagezentrums am Mittwoch in Hildesheim, das amtliche Messnetz sei – anders als von der Bürgerinitiative in der Elbmarsch kritisiert – dicht genug.

Nach Angaben des für die Atom-Überwachung zuständigen Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zeigen die Messungen in der Nähe der Kraftwerke keine höheren Werte als die weit weg von Kraftwerken. Die Bürgerinitiativen in Stadland, Grohnde und Lingen verstärkten ihren Protest.