HANNOVER - Die Vorwürfe der Opposition prasselten nur so auf die Agrarministerin ein. Doch Astrid Grotelüschen verzog auf der Regierungsbank keine Miene, verzichtete auf eine Antwort. Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) unternahm einen halbherzigen Versuch, die CDU-Politikerin aus Ahlhorn zu verteidigen, die am Mittwoch im Landtag erneut heftig in der Kritik stand. Diesmal ging es um mutmaßliches Lohndumping in einem Schlachtbetrieb in Wildeshausen, an dem ihr Ehemann Garlich Grotelüschen mit 14 Prozent beteiligt ist. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der illegalen Beschäftigung von Bulgaren. Sie sollen nur fünf Euro Stundenlohn erhalten haben. Die Ministerin hatte dazu in einem Interview gesagt, fünf Euro seien „akzeptabel“.

„Sie machen sich zur Marionette der Fleischindustrie“, kritisierte SPD-Fraktionsvize Olaf Lies (Sande). Grotelüschen sei eine „Schutzpatronin und Lobbyistin der Billigfleischindustrie“, schimpfte der Grünen-Agrarexperte Christian Meyer. Die Linken sprachen von „zweifelhaften Arbeitsbedingungen“ im Umfeld der Ministerin. CDU und FDP wiesen die Kritik zurück. Bode sprach von „grotesken“ Vorwürfen.

Ministerpräsident David McAllister (CDU) saß während der Debatte mit ernster Miene auf der Regierungsbank. McAllister, so war zu hören, soll Grotelüschen und ihren Staatssekretär Friedrich- Otto Ripke (CDU) jüngst zum Rapport bestellt haben. Der Streit um Tierquälerei und Lohndumping in der Putenmast passt dem Regierungschef überhaupt nicht ins Konzept. Die Stimmung im Ministerium wird als „unterirdisch“ beschrieben. In der schwarz-gelben Koalition gibt es Spekulationen über eine Ablösung von Grotelüschen und Ripke, deren Verhältnis als zerrüttet gilt. Das Ministerium sei nur noch als „Putenhaus“ bekannt, heißt es ironisch. Die Abgeordneten Clemens Große Macke (Addrup) und Karl-Heinrich Langspecht werden als mögliche Nachfolger genannt.

Grotelüschen versteht die Aufregung nicht. „Das ist eine unsachliche und populistische Auseinandersetzung, die Fakten nicht aufgreift“, sagte sie dieser Zeitung. In dem Schlachtbetrieb sei ein Bruttolohn von 7,50 Euro gezahlt worden. Die Ministerin setzt auf die Staatsanwaltschaft. In der CDU gilt die Devise: „Sie muss sich in die Weihnachtsferien retten“.