HANNOVER - Im Streit um den Neubau des Landtags soll das Parlament jetzt selbst entscheiden. Die Abstimmung, ob der marode Plenarsaal abgerissen oder nur modernisiert wird, ist für Mitte März geplant. „Die Baukommission wird keine Entscheidung herbeiführen“, stellte Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) in Hannover klar. Ein Spitzengespräch der Fraktionen am Donnerstag brachte noch keine Lösung. An diesem Freitag soll es eine weitere Runde mit allen Fraktionschefs geben.

Die Entscheidung wird wohl zwischen den beiden ersten Plätzen des Architektenwettbewerbs fallen – auch wenn es vor allem aus der CDU Stimmen gibt, ganz auf das Projekt zu verzichten. Trotz aller Kritik liegt der Wettbewerbssieger in der Gunst der Abgeordneten noch vorne. Für den Glastempel eines Kölner Architektenbüros gibt es bei CDU und FDP wohl eine klare Mehrheit. Bei der SPD stimmten 13 Fraktions-Mitglieder für den Glastempel und 17 für den zweiten Preisträger, der einen Umbau plant. Auch die Grünen wollen für Nummer zwei Stimmen. Die Linken sind gegen beide Pläne.

Die CDU steht beim Thema Landtagsneubau vor einer Zerreißprobe. Die meisten Abgeordneten teilen die Bedenken von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Fraktionschef David McAllister gegen den Glastempel nicht. Dass Wulff zur Bescheidenheit beim Neubau aufgerufen hat, wird von einigen Christdemokraten als unzulässige Einmischung des Regierungschefs in die Parlamentsarbeit gewertet. Die CDU-Fraktion hat sich beim Thema Tierkörperbeseitigung vor einigen Jahren schon einmal über das Votum von Wulff und McAllister hinweggesetzt. Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) ist offenbar für einen Neubau. Damit wäre die Position von Dinkla gestärkt. „Wir sind noch in der Diskussionsphase“, sagte CDU-Parlamentsgeschäftsführer Björn Thümler (Berne) dieser Zeitung.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Schostok forderte die CDU auf, ihre „taktischen Machtspielchen“ zu beenden. Die Witwe des Landtags-Architekten, Eva Oesterlen, bot Dinkla und den Spitzen der Fraktionen an, „die wechselseitigen Standpunkte zu diskutieren“. Sie will den unter Denkmalschutz stehenden Bau ihres Mannes Dieter Oesterlen erhalten.